Der Gitterrost färbt Blätter rot

Pilz benötigt ­Zwischenwirt

Immer mehr Birnbäume weisen ab Sommer zur Verwunderung vieler Gärtner an den Blättern und nur sehr selten an den Früchten rote Verfärbungen und Wucherungen auf. Es handelt sich dabei um eine auffällige pilzliche Infektion, den Birnengitterrost.   

Bei dieser Krankheit bilden sich auf der Blatt­oberseite der Birnenblätter zuerst gelbe, dann rote Flecken, auf denen später kleine Pünktchen, Pyknidien, sichtbar sind. Im Laufe der Krankheit treten auf der Blattunterseite an den roten Flecken kegelartige Wölbungen, so genannte Gitterkörbchen, auf.   

Der Pilz lebt während der Wintermonate auf einer Wirtspflanze der Gattung Wacholder, vorwiegend auf dem Sadebaum, Juniperus sabinae, seltener auf dem Zierwacholder, Juniperus chinensis bzw. J. ­virginiana,  nie jedoch auf dem Säulenwacholder, J. communis. Mit der Verbreitung der beliebten Wacholderarten in den Ziergärten ist auch eine erfolgreiche Ausbreitung des Birnengitterrostes vorprogrammiert. Im Frühjahr werden die Sporen durch Wind und Regen verbreitet und gelangen auf die Birnbäume. Bei Temperaturen von 15-20 Grad Celsius keimen sie innerhalb von zwei Wochen, und es zeigen sich die orangenen Flecken. In Jahren mit intensiver Sonneneinstrahlung und Wärme über 25 Grad Celsius zur Zeit des Sporenfluges hat der Pilz schlechte Entwicklungsmöglichkeiten; er keimt kaum bis gar nicht, und es gibt ein befallsvermindertes bzw. -freies Jahr. Ein feuchtes Frühjahr, mit mäßig warmen Temperaturen, sorgt hingegen für eine ­optimale Verbreitung dieses Rostpilzes.  

Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Krankheit ist meist aber geringer, als es das auffällige Erscheinungsbild vermuten lässt. Bei einem schwachen Befall von drei bis fünf Infektionen pro Blatt ist eine Beeinträchtigung des Birnenbaumes nicht zu erwarten. Beim Blattfall im Herbst ist der Baum dann auch nicht mehr infiziert. Vorher reißen allerdings die höckerförmigen Körbchen auf den Blattunterseiten auf und geben wiederum Sporen frei, die nur auf dem Wacholder überleben können. Befallene Zweige verdicken sich wulstig, und nach zwei Jahren quellen die Sporenlager nach Regenfällen im Frühjahr auf, und die Birnbaumblätter werden wieder infiziert. Gibt es ein trockenes Frühjahr, quellen die Sporenlager erst im nächsten oder übernächsten Frühjahr und entlassen dann ihre Sporen.  

Tritt das Erscheinungsbild jährlich wieder auf, sollte die Entfernung des Wacholders, an ihm ist die Krankheit nicht mit Mitteln einzudämmen, in Erwägung gezogen werden. Dies ist häufig leichter gesagt als getan, wenn der infizierende Wacholderbusch in Nachbars Garten steht. Mit etwas Überredungskunst ist es zumindest möglich, eventuelle Infektionsstellen herausschneiden zu lassen, zumal die Zweige oberhalb dieser Stellen schnell unansehnlich werden. Häufig tritt Birnengitterrost wegen der spezifischen Fortpflanzungsmechanismen in vielen Regionen nur in mehrjährigen Abständen auf. Gefährlich wird der Rost nur ganz jungen Bäumchen, denen bei einem außerordentlich starken Befall dann auf den Blättern das Blattgrün zur Photosynthese fehlt. Hier kann man mit Schachtelhalmspritzungen im März und April versuchen, das Blattgewebe gegenüber Infektionen widerstandskräftiger zu bekommen.        

Foto und Text: Peter Busch