Große Grüne Reneklode

Eine königliche Rundpflaume

Nach dem Winter und vor dem Frühling ist Gelegenheit, Obstbäume zu pflanzen. Dazu eine Empfehlung: ‚Große Grüne Reneklode‘. So gut wie die Früchte dieser Pflaume schmecken keine anderen. Sie vergehen voller Saft süß-schmelzend auf der Zunge, mit dem Ergebnis: „Mehr davon“! und mehr davon auch in Form von Marmelade, Kompott, Gelee. Das ist umso erstaunlicher, als ‚Große Grüne Reneklode‘ nicht irgendeine neue bahnbrechende Züchtung ist, sondern Jahrhunderte alt. Manche datieren ihr Erscheinen auf 1670, andere früher auf 1490, immer in Frankreich. Dazumal residierte dort Franz I., ein zwar hochbegabter, doch gewissenloser und verschwendungssüchtiger König. Seine Gemahlin Claudia starb bereits im Alter von 25 Jahren nach knapp 10 Ehejahren, in denen sie 7 Kinder gebar. Schön soll Claudia nicht gewesen sein, aber geistreich und herzlich, so dass das nicht gerade verwöhnte Volk sie die „gute Königin“ nannte und die neue Obstsorte zu ihrer Erinnerung den Namen „Reine Claude“, „Königliche Claudia“ erhielt. Aus „Reine Claude“ wurde in Deutschland Reneklode. So erinnert die ‘Große Grüne‘ an jene Königin, wie jede andere Reneklodensorte.   

Entsprechend ihrer Herkunft wünscht ‚Große Grüne Reneklode‘ warmen und sonnigen, vor allem spätfrostgeschützten Standort. Daher ist sie bisher vor allem in wärmeren Lagen Deutschlands bekannt, profitiert seit kurzem offenbar von den aktuellen Klimaveränderungen, hat daher auch in weniger milden Gegenden hierzulande Chancen. Der Baum wünscht ferner humosen, genügend feuchten, nährstoffreichen Boden, ist also ziemlich anspruchsvoll. Bäume, die an sich gut tragen, deren Früchte jedoch immer vergleichsweise klein bleiben und schlecht vom Stein lösen, stehen wahrscheinlich zu trocken und nährstoffarm.   

‚Große Grüne Reneklode‘ blüht mittelspät und braucht einen Pollenspender, etwa ‚Hauszwetsche‘ oder ‚Nancy Mirabelle‘. Die hocharomatischen, dicken, runden, sehr süßen Früchte mit feiner Säure reifen ab Mitte/Ende August bis Mitte September. Die Fruchtschale färbt sich grüngelb, auf der Sonnenseite bräunlich-rötlich punktiert. Ein hübscher silberblauer Schleier lässt die Früchte noch appetitlicher erscheinen. Selbstversorger pflücken die Früchte vollreif und essen oder verarbeiten sofort. Die Baumkrone baut sich breitkugelig auf. Regelmäßiges Auslichten und gelegentliches Verjüngen hält sie viele Jahre ertragreich. Begrenzender Wachstumsfaktor ist vor allen Dingen geringe Frosthärte des Holzes und der Blüten. Eine Frostnacht, und die Ernte ist hin. Der Ertrag kann recht unterschiedlich sein, zumal es neben guten Auslesen auch weniger gute gibt. Erstklassige Herkunft der Bäume ist also wichtig.                                      

Foto und Text: Ilse Jaehner