Wohin mit Mischkulturen?

Wenn Platz Mangelware ist   

Monotones, immer Gleiches ist auf die Dauer langweilig, Abwechslung dagegen belebend. Das ist in allen Bereichen des Daseins so, also auch im Garten. Wer immer nur eine Gemüseart anbaut, braucht sich nicht zu wundern, wenn nach solchen Wiederholungen die Pflanzen nicht mehr recht gedeihen, Erträge nehmen ab. Mischkulturen können helfen, denn unterschiedliche Gemüsearten ergänzen sich positiv. In der Mischung wächst vieles besser und gesünder, setzt Krankheiten und Schädlingen mehr Widerstandskraft entgegen. Zudem ergeben sich erfreuliche Auswirkungen im Wurzelbereich der Pflanzen, weil Nährstoffe besser ausgenutzt werden.    

Des Weiteren kommt es beim gut geplanten Einsatz von mehreren Gemüsearten in Mischkultur zur fast ständig lückenlosen Bedeckung des Bodens durch Pflanzen. So soll es sein, denn die Natur strebt von sich aus ebenfalls zu bedeckter Erde, weil ein geschlossener Pflanzenbestand den Boden vor Austrocknung, Verkrustung und ähnlichen Nachteilen schützt.    

Also heißt die Devise: sät oder pflanzt Mischkulturen. Da gibt es jedoch ein Dilemma. Mischkulturen nach allen Regeln der Kunst stehen abnehmende Grundstücksgrößen entgegen. Mischkulturen, wie sie übliche Anbaupläne vorsehen, brauchen Platz, damit man die passenden Partner entsprechend zusammenfügen kann. Diese vielen Quadratmeter gibt es heute oft nicht mehr in Gärten. Wenige Quadratmeter müssen für den Anbau von Gemüse reichen. Wer sich dann zu sehr den Kopf darüber zerbricht, wie er das ordentlich nach Regeln der Mischkultur managt, hat’s schwer. Er sollte sich von Zwängen freimachen und nur dem Prinzip folgen: abwechseln, ferner eine wichtige Regel beachten, die besagt, keine Mitglieder einer Pflanzenfamilie direkt nebeneinander oder nacheinander zu säen oder zu pflanzen. Mit einer Ausnahme: Tomaten können mehrfach nach sich selbst stehen, ohne im Ertrag nachzulassen.    

Wichtiger als die Beachtung von strengen Vorschriften klassischer Mischkultur ist beim Gemüseanbau auf kleinem Raum die aufmerksame Pflege des Bodens mit regelmäßiger, ausreichender Humuszufuhr. Humoser Boden kann vieles ausgleichen, was sich eventuell weniger ideal darstellt. Es gibt so viele Gemüsearten, die zum Anbau verlocken, dass allein schon dadurch ein gewisser Mix entsteht und jede Einseitigkeit ausgeschlossen ist. Ein paar zugepflanzte Studentenblumen können eventuelle negative Vorgänge im Boden neutralisieren. So erübrigt sich viel Kopfzerbrechen über ideale oder weniger ideale pflanzliche Partnerschaften und man kann unbelastet wirtschaften. Diese Ansicht entspricht nicht strengen Mischkulturregeln, aber die Praxis erweist, dass sie wegen der Gegebenheiten in vielen Gärten Sinn macht und brauchbar ­ist.                              

Ilse Jaehner