Duftblattgeranie

Als im 17. Jahrhundert die Holländer und Engländer ihre Handelsbeziehungen auf Indien und Afrika ausdehnten, wetteiferten beide Länder damit, neben Gewürzen auch bisher unbekanntes Pflanzenmaterial nach Europa einzuführen. Als eine Fundgrube erwies sich Südafrika, von wo aus Hunderte uns heutzutage bekannter Zimmer-, Kübel- und Balkonpflanzen importiert wurden.   

Dazu gehören auch viele Vertreter aus der Familie der Storchschnabelgewächse, Pelargonium. Von den weltweit vorkommenden ca. 200 Arten stammen allein fast 150 Arten aus den Regionen rund um das Kap der guten Hoffnung. Am bekanntesten und beliebtesten sind sicherlich die Balkongeranien; zunehmend an Beliebtheit gewinnen aber auch die Duftblattgeranien. Diese nicht winterharten Kräuter entwickeln sich je nach Art von niederliegenden Pflanzen bis zu gut einen Meter hohen Sträuchern. Sie haben duftende Blätter und zierliche bis imposante Blüten. Von den über 200 bekannten Varietäten dieser Art gibt es ganz verschiedene Duftnoten, von denen es lohnt, sich ein kleines Sortiment anzulegen. Am bekanntesten ist die krausblättrige Geranie, P. crispum, die intensiv nach Zitronen duftet und kleinwüchsig bleibt. Daneben gibt es noch Sorten, die eher an den Geruch von Orangen erinnern. Die Pfefferminzgeranie, P. tomemtosum, fällt durch ihre breitwüchsige Erscheinung und ihre samtigen Blätter auf, die angenehm nach Pfefferminzöl duften. Die Rosengeranie, P. graveolens, riecht stark nach Rosenduft und wächst als kräftiger Strauch in Topf- oder Kübelhaltung. In Spanien und Nordafrika wird diese Pflanze in großen Mengen zur Gewinnung von Rosenölersatzstoffen angebaut.    

Neben diesen bekanntesten Duftblattpelargonien gibt es noch eine Vielzahl anderer Düfte: die Apfelgeranie erinnert an erntefrische Äpfel, die Balsamgeranie entwickelt eine herbe Duftnote, und andere Sorten riechen nach Tannennadeln, Erdbeeren, Ananas, Pfefferminzschokolade oder Pfirsichen.     

In unserem Klima hält man die Pflanzen am besten in Töpfen, die über Sommer im Garten eingegraben werden, wo sie sich besonders üppig entwickeln. Um einen Sitzplatz gestellt, verströmen sie auch draußen ihr Aroma und lassen uns an warmen Sommerabenden wie auf Duftwolken schweben. Wie alle Geranien erhalten sie vor den ersten Frösten einen hellen, aber nicht prallsonnigen und zu warmen Standort im Haus; ideal sind natürlich auch ein frostfreier Wintergarten oder ein Gewächshaus.    

Alle ein/zwei Jahre bekommen die Pflanzen einen etwas größeren Topf mit humoser Erde. Die Duftblattgeranien lassen sich leicht über Stecklinge aus Triebspitzen, am besten über Sommer vermehren, die in einem Glas mit Wasser rasch wurzeln. Da diese Kräuter nicht sehr verbreitet sind, ist es manchmal schwer, Jungpflanzen zu bekommen. Über eine Gärtnerei oder über Bekannte, die schon Duftblattgeranien besitzen, besorgt man sich am einfachsten Stecklinge oder Jungpflanzen. Die frischen Blätter finden das ganze Jahr über in der Küche Verwendung. Klein geschnitten würzen sie Salate und besonders delikat Kuchen, Pudding und Gelee. Die getrockneten Kräuter nimmt man zum Füllen von Kräuterkissen.                                        

Peter Busch