Mein Gewächshaus im Laufe des Jahres

Lange haben wir nicht überlegt, als 1984 der erste Gedanke aufkam, ein Gewächshaus in unseren Garten zu setzen, da der Wunsch schon lange existierte. Heute sagen wir: in diesen fast vier Jahrzehnten haben wir es niemals bereut, eines angeschafft zu haben – es ist und bleibt nun mal der Bereich des Gartens, der uns Jahr für Jahr eine sichere und ertragreiche Ernte beschert. Damals hatten wir immer wieder auf eine Tomatenernte aufgrund von Braunfäule verzichten müssen, die im Freiland im Handumdrehen die ungeschützten Pflanzen dahingerafft hatte. Ein weiterer Gedanke: solch ein Gewächshaus würde auch die Jungpflanzenanzucht wesentlich vereinfachen. Die Frage war nur: Was für eines? Die damaligen Kunststoffe kamen uns nicht sehr stabil vor, deshalb haben wir uns für eines mit Alu-Rahmen und genörpeltem Glas (strukturierte Oberfläche, wodurch die starke Sonneneinstrahlung gebrochen wird) entschieden. Unsere Ernteerfolge zeigten und zeigen uns auch noch heute, dass es mit diesem einfachen Glas auch funktioniert, obwohl in der heutigen Zeit Sicherheitsglas oder UV-beständiger Kunststoff bevorzugt angeboten werden, da diese bruchstabiler sind und zudem eine bessere Isolierwirkung erzielen, was besonders in den Übergangszeiten Frühjahr und Herbst von Vorteil ist. Wichtig war uns auch, dass der Eingang so breit sein müsste, dass wir mit einer Schubkarre durchfahren könnten, um die anfallenden Erdarbeiten zeitsparend durchführen zu können. Sturmsicher befes­tigt haben wir die Konstruktion auf 8 cm breiten Randsteinen, die wir in ein Betonfundament eingelassen hatten. Allerdings ließen wir sie so hoch wie möglich aus dem Beton herausragen, um dadurch die Dachhöhe weiter nach oben zu verlagern. So vergrößerten wir das Volumen des Gewächshauses und konnten den großen Tomatenpflanzen mehr Platz nach oben bieten. Dass wir an der Türöffnung nun über eine Kante steigen mussten und für die Schubkarre eine kleine Rampe benötigten, nahmen wir wegen der anderen Pluspunkte in Kauf. Dass der Eingang direkt an eine Pflasterfläche grenzte und nicht an Rasen oder offenen Gartenboden, erwies sich im Nachhinein als vorteilhaft, da wir dadurch keine Probleme mit Schnecken im Gewächshaus haben.  Im Folgenden erläutere ich, wie wir im Laufe des Jahres diese verglaste Gartenfläche nutzen. 

WINTER: Da auch in dieser Garten-Ruhezeit Arbeiten anfallen, eignet sich unser Gewächshaus nicht für die Lagerung von Gartenstühlen und ähnlichem. Bei frostfreier und leicht regnerischer Witterung geht’s jährlich an die Reinigung der Innen- und Außenglasflächen, da diese im Laufe des Jahres von Algen, Moosen und Flechten besiedelt werden, die den Lichteinfall, der Anfang des Jahres bei der Jungpflanzenanzucht besonders wichtig ist, stark beeinträchtigen. Regnerisch soll’s sein, damit der Belag ein wenig aufgeweicht ist und die Reinigungsarbeit leichter von der Hand geht. Da ich bisher keinen schwerwiegenden Krankheitsbefall an den Pflanzen im Gewächshaus hatte, arbeite ich mit klarem Wasser ohne Zusatz von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln. Damit die Innenflächen gut abtrocknen, lasse ich für einige Tage die Fenster und die Tür offenstehen. Danach steht eine vermehrt schweißtreibende Tätigkeit auf dem Plan: der Austausch der Erde. Glücklicherweise habe ich einen Schwiegersohn, der immer froh ist, wenn er sich körperlich betätigen kann. Hätte ich diese Möglichkeit nicht, würde die Erde in größeren Abständen ausgetauscht werden. Rund einen Spatenstich tief wird die vorhandene Erde entnommen und anschließend im Garten verteilt, nachdem die groben Teile mittels eines Kompostsiebes entfernt wurden. Da die Tomaten, die im letzten Jahr im Gewächshaus standen, mit den Kartoffeln verwandt sind und somit von den gleichen Krankheiten befallen werden können wie diese, versorge ich das zukünftige Kartoffelbeet nicht mit dieser Erde. Ins Gewächshaus hinein kommt nun Komposterde, die nach dem vorjährigen Umsetzen ein weiteres Jahr Zeit zum Zergehen hatte. Falls die Kompostmasse nicht ausreicht, wird sie mit Gartenerde gemischt, um die gewohnte Pflanzhöhe im Gewächshaus wieder zu erreichen. Um die in dieser Komposterde vorhandene Feuchtigkeit nicht verdunsten zu lassen, bedecke ich die gesamte Fläche mit Wellpappe und Papiersäcken. Danach stelle ich meine „Tische“ auf: alte Türen mit glatter Oberfläche, die auf Holzböcken ruhen, wobei die Füße der Böcke durch kleine Kunststoffplatten geschützt sind, um das Holz vor Nässe zu schützen.    

FRÜHLING: Wenn im Wohnhaus die Paprika-, Tomaten- und sonstigen Keimlinge aus der Erde der Aussaatschalen lugen, kommen sie umgehend auf diese breiten Tische, um ihnen die nötigen Lichtmengen geben zu können. Da sogar im März die Sonne bereits ordentlich an Kraft zugelegt hat, habe ich auf der Südseite eine weiße, engmaschige, abnehmbare Gardine aufgehängt, die den empfindlichen Pflänzchen einen lichten Schatten bietet. Da es ein unbeheiztes Gewächshaus ist, kommen die empfindlichen Jungpflanzen, solange nachts niedrige Temperaturen herrschen, in den leicht beheizten Hauswirtschaftsraum im Wohnhaus. Auf eine Gewächshausheizung für die Nacht verzichte ich bewusst, da mein Gewächshaus durch die Normalglasscheiben kaum isoliert ist und somit zu viel Energie verschwendet würde. Bei kalter Witterung habe ich allerdings tagsüber Wärmematten (25 cm × 35 cm; 17,5 Watt), die dafür sorgen, dass die Jungpflanzen, solange sie noch in den Aussaatschalen sind, auch dann genügend Wärme bekommen, wenn die Außentemperatur zu niedrig ist. Beim Transport vom Gewächshaus ins Wohnhaus und zurück achte ich stets darauf, dass die Außentemperatur nicht zu niedrig ist; denn äußerst kälteempfindliche Pflanzen wie Gurken, Kürbis oder Zucchini können bereits durch diese kurzzeitige Niedertemperatur extreme Kälteschäden bekommen – auch wenn ich nur rund 20 m zu bewältigen habe. Durch eine solche Unachtsamkeit hatte ich einmal einen Pflanzenverlust bei den Gurken von über 80 %.    

Im Laufe der Zeit füllen sich die Tischplatten immer mehr mit Gemüse- und Blumenjungpflanzen. Das geht so bis Mitte Mai: dann ist nämlich Pflanzzeit im Gewächshaus. Die Tische kommen wieder in den Keller und die Pappe auf den Komposthaufen, so dass die Erde frei liegt. Da hinein kommen nun sechs bis acht Tomaten- und zehn bis zwölf Paprikapflanzen. Zusätzlich je eine Basilikum- und eine Zitronenbasilikumpflanze (schmeckt super im Paprikasalat). Da alle Pflanzen jetzt noch nicht viel Platz beanspruchen, setze ich in den Zwischenräumen insgesamt sechs bis acht Kohlrabi, die ja rasch erntereif sind. So nutze ich den Platz, den mein 2,50 m × 3,70 m großes Gewächshaus mir bietet. Mit einem Schlauch und dem daran montierten Wasserhahn schaffe ich mir eine temporäre Wasserzapfstelle, um nicht für jede Gießkanne laufen zu müssen.    

SOMMER: Die hauptsächliche Arbeit besteht nun im Gießen, Anbinden, Ausgeizen der Tomatentriebe und natürlich Ernten. Da es in meinem Gewächshaus bei Sonneneinstrahlung oft recht heiß werden kann, sorge ich stets für eine gute Lüftung. Im Hochsommer sind Fenster und Tür tagein tagaus weit offen. Praktisch sind da automatische Fensterheber, die auf die jeweilige Temperatur im Haus reagieren. Ich arbeite allerdings wieder voll manuell, nachdem ich vergessen hatte, die Fensterheber bei Frost auszubauen und diese den Geist dadurch aufgegeben haben. Man kann auch zusätzlich für eine Schattierung sorgen: entweder durch entsprechendes Gewebe oder durch einen Kalkanstrich. Solch einen Anstrich habe ich im letzten Jahr vorgenommen – allerdings wirkte er sich zeitweise negativ aus, als es recht bewölkt war und ich den Kalkanstrich zudem zu dick aufgetragen hatte. Da bekamen die Pflanzen zu wenig Licht. Beim nächsten Mal werde ich die Kalk-Wasser-Mischung stärker verdünnen. Da mein Gewächshaus ganztägig von der Sonne beschienen wird, entstehen im Hochsommer schon mal Temperaturen von über 40 Grad. Während die Paprika das anscheinend echt toll finden, können bei den Tomaten die oberen Spitzen schon mal Schaden nehmen. Seit ich ihnen bei diesen Verhältnissen in den Mittagsstunden eine zusätzliche Wassergabe zukommen lasse, hat es diesen Schaden nicht mehr gegeben. Bei den Tomaten entferne ich neben den Geiztrieben (Seitentriebe, die in den Blattachseln wachsen) nur diejenigen unteren Blätter, die bis zum Boden reichen. Dadurch vermeide ich Spritzinfektionen, die zum Beispiel den Befall mit Braunfäule begünstigen, da die Erreger sich im Boden befinden können. Aus dem gleichen Grund bekommen sämtliche Pflanzen das Wasser nur an ihre Wurzeln, um die Blätter trocken zu halten. Ansonsten belasse ich den Tomatenpflanzen alle übrigen Blätter, damit die Früchte nicht zu viel direktes Sonnenlicht bekommen, um zum einen Sonnenbrand und zum anderen die Gefahr des Grünkragens (harte Region um den Stielansatz) zu verringern. Außerdem benötigt die Pflanze ihre Blätter, um die Früchte naturgemäß ausreifen zu lassen.   

Ein Gewächshaus ist ein Gebäude, in das es nicht hineinregnet. Jede Feuchtigkeit muss deshalb von uns hineingebracht werden – gegossen werden muss auch nach den stärks­ten Regenfällen. Bei den sommerlichen Temperaturen wäre frisches Wasser aus dem Schlauch allerdings ein regelrechter Schock für die Pflanzen, deshalb fülle ich nach dem Gießen die soeben leer gewordenen Gießkannen wieder auf, damit das Wasser sich bis zum nächsten Tag erwärmen kann. Zudem habe ich an den Dachrinnen des Gewächshauses Wasserschläuche montiert, die das Regenwasser in eine Tonne leiten. Da jetzt im Sommer Erntesaison ist, habe ich wettergeschützt eine Gartenschere griffbereit liegen, um die Paprika pflanzenschonend abschneiden zu können und größere, störende Triebe entfernen zu können ohne die Pflanzen versehentlich zu schädigen.   

HERBST: Wenn die Tomatenpflanzen im Sommer sechs Fruchtstände gebildet haben, schneide ich die Spitze ab, damit keine neuen gebildet werden, die dann im Herbst doch nicht mehr ausreifen würden. Deshalb habe ich, wenn im Oktober die ersten Fröste kommen, zumeist auch keine Früchte mehr an den Pflanzen. Ganz ehrlich: grüne Tomaten, die im Haus nachreifen, sind nicht nach meinem Geschmack (auch wenn viele sie für „super lecker“ halten). Bei den Paprika versuche ich ab circa Ende August daran zu denken, die Blüten zu entfernen, damit die sich auf dem Weg zur Reife befindlichen Früchte eine vernünftige Erntequalität erreichen und die Paprikapflanze keine unnötigen Kräfte in die neuen (nicht mehr ausreifenden) Fruchtansätze leitet. Falls schon recht früh kalte Nächte den Pflanzen im Gewächshaus den Garaus machen wollen, setze ich vier Grabkerzen unter Tontöpfe, um die Temperatur zumindest auf Frostfreiheit zu halten. Wenn allerdings zu strenge Fröste angekündigt wurden, ernte ich sämtliche Pflanzen ab und verarbeite die Früchte, da die Kerzen-Gewächshaus-Heizung nur leichte Temperaturerhöhungen schaffen kann. Sind schließlich die Pflanzen im Gewächshaus erfroren, rode ich sie. Außer den Tomaten kommen alle Pflanzenreste auf den Komposthaufen. Da an den Tomatenresten unbemerkt Erreger der Braunfäule oder anderen Krankheiten haften können, entsorge ich sie vorsichtshalber über die Biotonne, damit sie nicht in die Komposterde gelangen.    

Nun ist das Gewächshaus wieder leer und der Reigen beginnt auf’s Neue: Scheiben reinigen, Erde austauschen.   

Fotos und Texte: Manfred Kotters