Buschwindröschen

Frühaufsteher & vermehrt sich gern   

Der Frühling ist noch nicht richtig da, schon blüht es – das Buschwindröschen (Anemone ­nemorosa) – immer an besonderen Stellen. Das sind lichte oder hell beschattete Plätze im Bereich von lockerkronigen Bäumen und hohem Gesträuch, die noch keine Blätter haben oder erst ansatzweise.    

Das ist die wichtigste Voraussetzung für das Gedeihen dieser hübschen, heimischen Waldstaude, die grundsätzlich sehr lichthungrig ist. Sie hat sich mit ihrer Lebensweise so eingerichtet, dass die kurze Spanne von Winterende bis Laubaustrieb ausreicht für ihren Entwicklungszyklus. Wenn andere Pflanzen allmählich ans Austreiben denken, zieht sich das Buschwindröschen schon wieder zurück.    

In freier Natur bilden Buschwindröschen geschlossene, blütenreiche Teppiche. Wie es typisch ist für die meisten Anemonenarten, haben sie geteilte, gefiederte oder gelappte, frischgrüne Blätter. Davon heben sich die weißen, meist außen rötlich überhauchten Blüten attraktiv ab. Sie bilden sich auf etwa 10 cm langen Stielen, öffnen sich bei Sonne weit, neigen sich bei unfreundlichem Wetter und gegen Abend glockenförmig nach unten.    

Wie schaffen es Buschwindröschen, in der kurzen Zeit von März bis Mai so viel Nachwuchs für lückenlose Teppiche zu produzieren? Zunächst setzen sie auf das gängige Verfahren, dass Blüten von Insekten bestäubt werden und Samen bilden. Viele Samen, viele junge Pflanzen: das ist der erste Weg. Bei weniger günstiger Witterung bleiben jedoch Insekten aus, zudem schließen sich die Blüten. Aber das Buschwindröschen weiß sich zu helfen, indem es zweitens sich selbst bestäubt. Drittens sitzen an den Samen von Buschwindröschen Ölkörperchen, so genannte Elaiosomen, auf die Ameisen ganz scharf sind. Sie schleppen die Ölkörperchen samt Samen durch die Gegend und zum Bau, wo die Samen dann keimen und weitere Buschwindröschen sprießen. Viertens setzen Buschwindröschen stark auf vegetative Vermehrung. Die spielt sich unter der Erdoberfläche ab. Die Stauden entwickeln Rhizome, deren hintere Enden jeweils absterben, während vorne Sprossknospen für zunehmende Ausbreitung der Rhizome sorgen. Das geht alles um so besser, je mehr die Erde den Ansprüchen genügt, frisch bis feucht ist, nährstoffreich und tiefgründig. Mit Hilfe von Rhizomen kann man Buschwindröschen auch selbst gut vermehren.   

Der Gartenplatz für Buschwindröschen sollte sich an weniger warmen Stellen zu Füßen höherer Sträucher oder eines kleinen Baumes befinden. Wenn die Gehölze nicht gar so früh, sondern eher etwas später austreiben, wäre das ein Plus. Andere Mitglieder der Pflanzengesellschaft des lichten Laubwaldschattens passen gut dazu: Leberblümchen, Waldmeister, Lungenkraut und dergleichen.                

Ilse Jaehner