Pflanzen anhäufeln? Wie und warum denn?

Gartenneulinge fragen sich manchmal warum bei allen Wurzelge­müsen, Möhren, Schwarzwurzeln, aber auch Lauch und Kartoffeln, merkwürdig geformte Verwachsungen auftreten.   

Manchmal sind diese lustig und ihre Produzenten schlussfolgern, dass es bei einem steinigen oder harten Boden manchmal zu solchem, die Qualität nicht mindernden Gemüse kommen kann. Das ist richtig und bedeutet, dass wenn man makellos geformtes Gemüse haben will, der Boden, in dem zum Beispiel Möhrensaat ausgesät wird, tiefgründig locker sein sollte.  

Wer allerdings zum Beispiel Wurzelgemüse in der Küche mit einer Maschine weiterverarbeiten will, fragt sich unwillkürlich, was er tun kann, um gerade, schön geformte Gemüse zu bekommen. Wissenschaftler stellten fest, dass ebenmäßiges, schön aussehendes Gemüse geerntet werden kann, wenn der Boden tiefgründig gelockert ist und das ­Gemüse (nicht jedes) angehäufelt wurde.  

 

Wie wird in einem kleinen Garten angehäufelt?   

  • Die Erde rund um die Buschbohnen wird vorsichtig gelockert.  
  • Dann wird die Erde, mit den Händen oder einem geeigneten ­Gartengerät, am Stiel der Buschbohnen hochgeschoben.   
  • Das Häufchen kann ruhig bis zu fünf Zentimeter hoch werden.  
  • Die Erde wird anschließend kräftig angedrückt, damit sie nicht beim nächsten Regenguss weggewaschen wird.    

Bitte bei der Arbeit darauf achten, dass die Pflanzen nicht verletzt werden. In einem größeren Garten wird die gleiche Arbeit mit geeigneten Gartengeräten rationell erledigt.   

 

Ist Anhäufeln absolut notwendig?   

Wer seine Pflanzen anhäufelt, kann mitunter mitleidige Blicke ernten, denn Gärtner machten die Erfahrung, dass ihre nicht gehäufelten Bohnen ebenfalls standfest waren und eine gute Ernte brachten.   

Das könnte daran liegen, dass diese an einem geschützten Standort standen. Spätestens dann, wenn Buschbohnen abbrechen, ist das ein klares Anzeichen dafür, dass ein Anhäufeln notwendig (gewesen) wäre.   

Besonders in der Wachstumsperiode von Buschbohnen, Fenchel, Kohl und Lauch bearbeiten erfahrene Gärtner ihren Boden zum Anregen des Wachstums häufig. Meist können sie beobachten, dass angehäufeltes Gemüse gesünder aussieht und die Ernte reichlicher ausfällt. Warum ist das so?  

 

Die wissenschaftliche Begründung, warum das Anhäufeln einigem ­Gemüse guttut   

An der Spitze des Sprosses und der Wurzel des jeweiligen Gemüses liegen so genannte Vegetationspunkte. Sie sind an der ständigen Entwicklung neuer Zellen durch Pflanzenhormone (Auxine), die in der Sprossspitze gebildet werden, beteiligt. Wenn der Transport dieser Hormone etwa durch einen steinigen und harten Boden oder das Abbrechen der Hauptwurzel unterbrochen wird, übernehmen Seitensprossen die Funktion. In der Folge kann sich der Vegetationspunkt teilen und das Gemüse nimmt merkwürdige Formen an.  

Wird das Gemüse regelmäßig angehäufelt, erhalten die Vegetationspunkte jedes Mal einen erneuten Impuls zum Wachsen. Bei Möhren zum Beispiel wird durch Anhäufeln zusätzlich verhindert, dass sich vom Übergang von der Wurzel zum Grün ein grüner Ring bildet. Haben Karotten diesen grünen Rand, weiß der Verbraucher, dass diese Karotten nicht ausreichend angehäufelt wurden. In der Konsequenz sagt es aus, dass diese nur unzureichend betreut und vielleicht zu früh geerntet wurden.  

Die Erfahrung zeigt, dass die positive Wirkung auf das Gemüse und eine tiefgründige Lockerung des Bodens, ebenfalls durch langjähriges Mulchen (Abdecken des Bodens mit trockenem Grünmaterial) erreicht werden kann. In diesem Fall genügt oft ein Ergänzen des Mulchmaterials und/oder ein Belüften des Bodens mit einer Grabgabel.  

 

Welche Pflanzen anhäufeln und warum?   

Vorteile des Anhäufelns: Der Wert des Anhäufelns richtet sich nach der Pflanze und der Jahreszeit.
Es kann folgenden Nutzen bringen:   

  • Die Bodenfeuchtigkeit wird erhalten.
  • Das Wurzelwachstum wird angeregt und dadurch die Aufnahme von Wasser und Nährstoffen verbessert.
  • Die Pflanzen bekommen eine ­höhere Standfestigkeit und eine bessere ­Blütenbildung.
  • Die Pflanzen können besser wachsen.
  • Das Gemüse bringt höhere Erträge.
  • Die Pflanzen schützen sich besser vor Schädlingen wie ­Möhrenfliege oder Kohlfliege.
  • Sie erhalten im Winter einen natürlichen Kälteschutz.

 

Welches Gemüse sollte wann angehäufelt werden   

Buschbohnen werden möglichst an einem sonnigen Tag angehäufelt, wenn sie kräftig angewachsen sind, das heißt, wenn sie etwa eine Höhe von 15 cm bis 25 cm erreicht haben. Das kann je nach Pflanzzeit im April, Juni oder auch im Juli sein. Auch wenn der idealen Termin zum Anhäufeln verpasst wurde, kann problemlos später angehäufelt werden.    

Erbsen und Bohnen lieben das Anhäufeln, weil sie dadurch eine bessere Standfestigkeit und einen stetigen Wuchsantrieb bekommen.  

Sie bilden durch Anhäufeln Seitenwurzeln, die der Pflanze mehr Wasser und Nährstoff zufügen. In der Folge wächst die Pflanze besser und es ist eine größere Ernte zu erwarten.  

Wenn bemerkt wird, dass es den Buschbohnen immer noch an Stabilität fehlt, kann das Anhäufeln später im Jahr wiederholt werden.  

Damit Kartoffeln mehr Knollen bilden, bekommen sie einen kleinen Erdwall, der nach Bedarf erhöht wird. Mit dem Häufeln der Kartoffeln wird verhindert, dass unerwünschte Beikräuter wachsen, die Knollen Sonne bekommen und grün werden. Kartoffeln, die anhäufelt werden, werfen erfahrungsgemäß mehr Ertrag ab. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Dämme, die über die Zeit entstehen, schneller warm werden und die Wärme besser speichern.  

Porree, in einigen Gegenden Deutschlands Lauch genannt, wird im Graben gepflanzt. Dieser wird im Laufe des Sommers aufgefüllt, damit er eine möglichst lange, weiße Lauchstange bekommt.

Karotten, Kohl, Lauch, Tomaten, Peperoni und Mais gedeihen ebenfalls mit Anhäufeln besser.  

 

Welches Gemüse mag anhäufeln nicht?   

Salat, Sellerie und Kohlrabi wollen nicht angehäufelt werden.  

 

Blumen ebenfalls anhäufeln?   

Bei den Blumen sind es die Duftwicken und die Rosen, die durch Anhäufeln der Erde an Aussehen gewinnen. Bei den Rosen dient das Anhäufeln als Winterschutz. Ein guter Zeitpunkt dafür ist, wenn die Gewächse etwa 10–20 Zentimeter hoch sind.              

Monika Hermeling