Wildbiene des Monats Juli 2023: Pippau-Sandbiene

(Andrena fulvago, CHRIST 1791)  

Jetzt ist Sommer – alles fliegt, kriecht und springt.   

Auch unsere heimischen Wildbienen sind geschäftig unterwegs. Eine von ihnen ist die Pippau-Sandbiene, eine echte Nahrungsspezialistin. Sie wird nur elf Millimeter groß und ist im Feld nur von geschulten Augen von der weitaus häufigeren Gewöhnlichen Dörnchensandbiene zu unterscheiden. Doch haben wir sie einmal ausfindig gemacht, fällt uns ein Merkmal besonders auf: Die Weibchen zeigen eine goldgelbe Sammelbürste auf dem hinteren Beinpaar. Die Pippau-Sandbiene gilt als weitverbreitet, ist dabei aber nur mäßig häufig zu finden. Am wahrscheinlichsten begegnet sie uns auf Streuobstwiesen, an sonnigen Waldrändern, auf Magerrasen und trockenen Fettwiesen. In unseren Dörfern und Städten ist sie hingegen eher selten unterwegs. Für ihren Nachwuchs baut die Biene kleine Eigenheime. Dazu gräbt sie eigenständig Hohlräume in sandige oder lehmige Böden mit lückigem Bewuchs. Ihre Erdnester baut sie auch unter Hecken und Sträuchern. Wenn sich günstige Bedingungen vorfinden, nistet die Pippau-Sandbiene in kleinen Kolonien mit ihren Artgenossinnen. Ihr Name gibt uns bereits den ersten Hinweis auf die Pollenvorliebe dieser wählerischen Wildbiene: Die Pippau-Sandbiene ist auf Korbblütler spezialisiert und somit auf diese angewiesen. Sie besucht Wiesen-Pippau und Grünen Pippau, Wiesen-Löwenzahn und Rauhen Löwenzahn, Wiesen-Flockenblume, Kleines Habichtskraut, Gewöhnliches Ferkelkraut, Wiesen-Bocksbart und andere Korbblütler. Einige Wespenbienen nutzen die Umtriebigkeit der Pippau-Sandbiene. Die Waldrand-Wespenbiene und die Schenkel-Wespenbiene parasitieren an der Sandbiene. Sie nutzen ihre Nester als eigene Kinderstube. Sobald sich während eines Sammelfluges der Wirtsbiene die Gelegenheit bietet, schmuggeln die Wespenbienen ihre Eier in die Brutzellen der unfreiwilligen Gastgeberin. Als sogenannte „Kuckucksbienen“ gehen Wespenbienen keinem eigenen Brutgeschäft nach. Beim Nektarsammeln zur Eigenversorgung finden wir sie oft auf den gleichen Pflanzenarten, auf denen auch die Wirtsbienen sammeln. Durch das Schwinden geeigneter Lebensräume hat es die Pippau-Sandbiene immer schwerer, die für sie passenden Wildpflanzen und Nistplätze zu finden. Daher verwundert es nicht, dass die Biene auf der Roten Liste Deutschlands als „gefährdet“ eingestuft wird. In Nordrhein-Westfalen ist sie stark gefährdet und in Niedersachsen und in Schleswig-Holstein ist sie bereits ausgestorben. Besonders das Umbrechen von extensiv genutztem Grünland schadet der Pippau-Sandbiene und vielen anderen Tier- und Pflanzenarten. Mit dem Griff zu Bio-Produkten fördern wir eine naturverträglichere Landwirtschaft und letztlich auch die heimische Insektenwelt.  

Um unmittelbar etwas für Wildbienen und andere Insekten zu tun, können wir vor der eigenen Haustür oder auf dem Balkon aktiv werden. Vor allem Gartenstrukturen mit Totholz-Arrangements, kleine Steinhaufen und reichlich heimische Wildpflanzen helfen, um Nahrung und Lebensräume anzubieten.                     

Tipps, wie Sie weitere bienenfreundliche Strukturen gestalten, finden Sie unter www.wir-tun-was-fuer-bienen.de und www.deutschland-summt.de. Bis zum 31. Juli 2023 können Sie zudem einen Beitrag beim großen Deutschland summt-Pflanzwettbewerb einreichen und mit etwas Glück tolle Urkunden, Geld- und Sachpreise gewinnen.  

Dominik Jentzsch
Stiftung für Mensch und Umwelt


Schnelle Fakten  

  • Name: Pippau-Sandbiene (Andrena fulvago, CHRIST 1791)  
  • Flugzeit: Mitte Mai bis Ende Juni/Anfang Juli  
  • Lebensraum: Waldränder, Streuobstwiesen, Magerrasen, Fettwiesen  
  • Nahrung: Spezialisiert, sammelt an Korbblütlern, Vorliebe für Rainfarn.  
  • Nistweise: Nistet in selbstgegrabenen Hohlräumen in sandigen oder lehmigen Böden.  
  • Parasiten: Waldrand-Wespenbiene (Nomada facilis, SCHWARZ 1967), Schenkel-Wespenbiene (Nomada femoralis, MORAWITZ 1869)  
  • Gefährdung: Gilt in Deutschland als gefährdet, mäßig häufig; in Nordrhein-Westfalen stark gefährdet, in Niedersachsen und Schleswig-Holstein ausgestorben/verschollen.  
  • Besonderheiten: Verwechslungsgefahr mit Gewöhnlicher Dörnchensandbiene (Andrena humilis), nistet in Kolonien.  


Weitere Infos  

www.wir-tun-was-fuer-bienen.de  

www.stiftung-mensch-umwelt.de  

www.deutschland-summt.de  

 

Literatur  

  • Amiet, Felix & Krebs, Albert (2012): Bienen Mitteleuropas; Gattungen, ­Lebensweise, Beobachtung; Haupt Verlag, Bern.  
  • Bellmann, Heiko & Helb, Matthias (2017): Bienen, Wespen, Ameisen; Kosmos Verlag, Stuttgart.  
  • Hemmer, Cornelis & Hölzer, Corinna (2017): Wir tun was für Bienen; ­Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei; Kosmos Verlag, Stuttgart.  
  • Michener, Charles Duncan (2007): ­­The Bees of the World; Johns Hopkins University Press, Baltimore.  
  • Scheuchl, Erwin & Willner, Wolfgang (2016): Taschenlexikon der Wildbienen Mittel­europas; Alle Arten im Porträt; Quelle & Meyer Verlag, Wiebelsheim.  
  • Westrich, Paul (2019): ­Die Wildbienen Deutschlands; 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart.  
  • Wiesbauer, Heinz (2017). Wilde Bienen; Biologie, Lebensraumdynamik von über 470 Wildbienen Mitteleuropas; 2. Auflage, Ulmer Verlag, Stuttgart.  

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