Gefahrenquelle Garten

Der Hobbygärtner kann es kaum erwarten, schon mit den ersten warmen Sonnenstrahlen im Frühjahr geht er in seinen Garten und genießt die Arbeit im Freien. Gartenarbeit ist nach wie vor eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen, vorausgesetzt, man hat eine enge Bindung zu Natur, Garten und Pflanzen. Erde unter den Schuhsohlen, schmutzige Kleidung und Schmutz unter den Fingernägeln gehören zwangsläufig dazu. Als Entschädigung gibt es dann das gute Gefühl, etwas ökologisch Sinnvolles zu tun und ständig in Bewegung zu bleiben. Das und vieles mehr bietet uns ein Garten. Trotzdem wissen wir alle, dass sich in einem Garten und der damit verbundenen Arbeit viele Gefahrenquellen ergeben, auf die es zu achten gilt. Unter keinen Umständen möchte ich an dieser Stelle den Garten als einen Hort des Bösen bezeichnen, dafür bietet er uns viel zu viele Vorteile. Das Arbeiten im Grünen birgt allerdings Gefahren in sich. Versicherungen melden, dass sich mehr als 20 000 Personen im Jahr bei der Gartenarbeit verletzen (nicht alle davon enden schlimm). An dieser Stelle ein Appell an die Hobbygärtner: professionell arbeitende Gärtner sind prinzipiell bei der Berufsgenossenschaft gegen Unfälle versichert, der Hobbygärtner ist das nur, wenn er eine private Unfallversicherung abgeschlossen hat. 

Gesundheitsschädigende Wirkung durch UV-Strahlung

Die Sonne strahlt und es ist angenehm warm. So etwas reizt, um nur sehr leicht bekleidet im Garten zu arbeiten. Das ist nicht ganz ungefährlich, denn die mit den Sonnenstrahlen verbreiteten UV-Stahlen können sehr schnell einen Sonnenbrand auslösen. In den letzten Jahrzehnten hat der Anteil an belastender UV-Strahlung durch die Abnahme der Ozonschicht drastisch zugenommen (UV-A- und UV-B-Strahlung). Ein Sonnenbrand kann für den Betroffenen sehr unangenehme Auswirkungen haben und ist in jedem Fall eine mögliche Ursache für Hautkrebs. Sich vor der Sonne zu schützen, gilt für jedermann. Zu beachten ist die Verweildauer in der Sonne, eine angepasste Kleidung, die offene Hautpartien bedeckt sowie die Verwendung von Sonnenschutzmitteln. In jedem Fall wird zum Tragen einer Kopfbedeckung geraten. Manche Personen sind empfindlich gegen das grelle Sonnenlicht und sollten daher besser eine geeignete Sonnenbrille tragen. Hinzu kommt die Belastung durch Ozon, was bei länger anhaltenden Schönwetterperioden auftritt. Diese greift die Atemwege an und kann zu Augenreizungen führen. In der untenstehenden Liste ist die Verweildauer nach Hauttyp dargestellt, in der man sich ungeschützt in der prallen Sonne aufhalten dürfte. Unter www.svlfg.de erhält man auf Anfrage kostenlos die sehr wertvolle Broschüre (B32) mit weiterführenden Informationen zu diesem Thema.

 

  • Hauttyp I: 
    Merkmale: Haut auffallend hell/blass, viele Sommersprossen, Haare rötlich, Augen grün, blau
    Eigenschutzzeit der Haut: 5–10 Minuten 
  • Hauttyp II:
    Merkmale: Haut etwas dunkler als Typ I, wenig Sommersprossen, Haare blond bis braun, Augen grün, blau, braun
    Eigenschutzzeit der Haut: 10–20 Minuten 
  • Hauttyp III:
    Merkmale: Haut hellbraun, Haare dunkelblond, braun, Augen grau, braun
    Eigenschutzzeit der Haut: 20–30 Minuten
  • Hauttyp IV: 
    Merkmale: Haut braun, Haare dunkelbraun, schwarz, Augen dunkel
    Eigenschutzzeit der Haut: ca. 45 Minuten

Quelle: svlfg Broschüre B32; www.svlfg.de


Allergien durch Pollenflug

Nur Betroffene selbst wissen, wie schlimm die Zeit des Pollenflugs für sie ist und wie sie darunter zu leiden haben. Kopfschmerzen, brennende Augen, triefende Nase und teilweise auch Atemnot sind noch die harmlosesten Symptome. Es wird unterschieden zwischen Frühblühern, solche wie ­Haselnuss und Erle, dann kommen andere Bäume, Gräser und Getreide. Als wenn das nicht schon reichen würde, kommt zuletzt noch die spät blühende (Juli/August) Ambrosia (Beifuß-Traubenkraut) hinzu. Für Geplagte gibt es passende Medikamente, die rechtzeitig und vor allem regelmäßig eingenommen werden müssen. Auch besteht die Möglichkeit, sich sensibilisieren zu lassen, was aber ein langwieriger Prozess mit vielen Arztterminen voraussetzt.

Wehrhafte Pflanzen

Viele unserer Kulturpflanzen sind mit wehrhaften Stacheln oder Dornen versehen, an denen man sich leicht verletzen kann. Jeder, der seine Rosen regelmäßig schneidet weiß, wie unangenehm der nähere Kontakt mit den Stacheln dieser Pflanze sein kann und wie leicht man sich damit an Händen und Armen verletzen kann. Das gilt auch für ­Pflanzen, die mit Dornen besetzt sind. Allen voran wäre hier die Familie der Berberitzen (beliebte Heckenpflanze) zu benennen. Die Dornen dieser Pflanze sind äußerst hart und spitz. Bei Verletzungen damit stechen die Dornen tief ins Fleisch und brechen dann ab. Ein einfaches Entfernen mit einer Pinzette ist meist nicht möglich. Risse, Schnitte oder nur einfach Kratzer, die durch Stacheln oder Dornen verursacht wurden, sollte man immer sofort desinfizieren und die verletzten Partien möglichst mit einem Pflaster verschließen. Die Gefahr einer späteren Infektion oder gar einer Blutvergiftung ist groß. Tiefsitzende Dornenreste sollte man, bevor sie anfangen zu eitern, notfalls von einem Arzt entfernen lassen. Für jeden muss eine Tetanusimpfung selbstverständlich sein, dazu gehört auch alle paar Jahre eine Auffrischimpfung. 

Giftige Pflanzen

Im Reich der Pflanzen gibt es viele Arten, die für den Menschen richtig giftig sind. So kann man ganz allgemein sagen, dass z.B. alle Herbstblumenzwiebeln sowie alle Anemonengewächse prinzipiell giftig sind, allerdings sind es noch sehr viele mehr. Vergiftungserscheinungen machen sich nicht nur bemerkbar, wenn man von den Pflanzen isst. Es gibt sehr giftige Pflanzensäfte, die schon bei Berührung ihre fatale Wirkung entfalten. Damit sind Phototoxine (z.B. die Herkulesstaude) gemeint. Verwirrend ist, dass es Pflanzen gibt, an denen alles giftig ist, gleichzeitig gibt es aber auch viele, die nur partiell giftig sind. Bei Giftpflanzen sind natürlich die Kinder am meisten gefährdet. Beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR Berlin) ist eine kostenlose Broschüre über giftige Pflanzen in Haus und Garten erhältlich. Ferner gibt es in jedem Bundesland Giftnotrufzentralen.

Gefahren aus dem Verborgenen – Fuchsbandwürmer

Füchse im Garten verschwinden zwar wieder schnell, dennoch stößt man immer wieder mal auf sie. Von den scheuen Tieren als solches geht kaum Gefahr aus, aber ihre Hinterlassenschaften können mit den Eiern des Fuchsbandwurms kontaminiert sein. Diese Bandwurmart ist leider auf den Menschen übertragbar. Befallen sein können am Boden wachsende Gemüse- und Obstarten. Dagegen helfen reine Hygienemaßnahmen – die Eier des Fuchsbandwurms werden allerdings erst ab einer Temperatur von 60 Grad abgetötet.

Leptospiren

Sind Bakterien, die eine der Grippe ähnliche Infektionskrankheit auslösen und die im Urin von Ratten ihren Ursprung haben. Weil Ratten sich gerne auf Kompostanlagen aufhalten, sollte ihr Vorhandensein regelmäßig kontrolliert werden. Die Bakterien gelangen in den Boden und in das Wasser und können dort sehr lange überleben. 

Hantavirus

Diese Virusart wird insbesondere durch den trockenen Kot der Rötelmaus verbreitet, die in unseren Gartenanlagen leider immer häufiger anzutreffen ist. Die Maus ist nur geringfügig größer als die Haus- oder Feldmaus, zeichnet sich aber durch einen rostroten Fellstreifen aus, der in Längsrichtung am Rücken verläuft. Das Tier kann leicht mit einfachen Klappfallen gefangen werden. Das gelingt allerdings nicht mit Speck, sie ist reiner Vegetarier. Wer mehr über die eigentliche Krankheit oder deren Verlauf wissen möchte, kann unter www.aerzteblatt.de nachlesen.

Ungebetene Gäste im Garten

1. Wespen und Hornissen

In Deutschland sind rund 12 Wespenarten bekannt, die sich im Aussehen, aber vor allem in ihrem Verhalten und ihrer Lebensweise unterscheiden. Die am verbreitetsten Arten sind die deutsche- und die gemeine Wespe. Der schlechte Ruf dieser Tiere rührt daher, dass sie sich für menschliches Essen interessieren und dass sie sehr penetrant sein können. Zudem können sie sehr aggressiv reagieren, insbesondere wenn es um die Verteidigung ihrer Bauten geht, können sie sehr schmerzhaft stechen. Eine weitere Art fällt auf durch besonders lange Beinpaare, sie lebt in sehr großen Kolonien im Boden und wird daher auch gerne als Erdwespe bezeichnet. Im Garten ist solch eine Anlage weniger schön, denn schon bei Annäherung reagieren sie sehr rasch und können mehrfach zustechen. Alle Wespen-Arten stehen in Deutschland unter Naturschutz und dürfen nicht getötet werden. 

Paradoxerweise gibt es frei verkäufliche Insektensprays auf dem Markt, die gegen die Ansiedelung von Wespen geeignet sind. Besser ist es, sich an die örtliche Naturschutzbehörde zu wenden und die Tiere fachgerecht umzusiedeln, so dass sie aus der Konfliktzone Mensch-Insekt umweltfreundlich verbannt werden. Ungebetene Gäste der Flora und Fauna können unangenehme Überraschungen auslösen.

Um die Hornissen ranken sich viele Mythen und abenteuerliche Geschichten, die mit vielen falschen Informationen gespickt sind. Hornissen sind dem Menschen gegenüber eher friedfertige Insekten, reagieren allerdings rasch, wenn man sich ihrer Behausung zu forsch und dicht nähert. Wespen und Hornissen bauen ihre Nester sehr gerne in den Geräteschuppen einer Gartenanlage, weil es dort warm und trocken ist. Es gilt also, das Verhalten zu beobachten und dann gegebenenfalls eine Umsiedlung vorzubereiten. 

Manche Menschen reagieren sehr stark auf den Stich dieser Insekten und müssen rasch zu einem Arzt. Bei den meisten Personen schwillt der Stich „nur“ sehr stark an, was mit einer allerdings schmerzhaften Rötung verbunden ist. Hier hilft in der Regel ein Kühlen mit einem Eiselement. Getränke in Flaschen und Gläsern sollte man nie offen stehen lassen, die meist süßen Inhalte werden sehr gerne von diesen gestreiften Tieren aufgesucht. Stiche in Hals und Rachen können dann in einem lebensbedrohlichen Fiasko enden. 

2. Stechmücken, Bremsen

Die Stiche dieser blutsaugenden Insekten sind aus medizinischer Sicht in Deutschland zumindest nicht gesundheitsgefährdend, anders schaut das in den Subtropen und Tropen aus.
Allerdings trägt der Klimawechsel mit seinem permanenten Temperaturanstieg dazu bei, dass neue Arten zu uns nach Europa gelangen und über diese Tiere neue Erkrankungen bei uns eingeschleppt werden (asiatische Tigermücke in den Rheinauen).
Die Stiche von Stechmücke und Bremse sind nicht schmerzhaft, jucken allerdings sehr stark. Nun ist es nur allzu menschlich, dass man da kratzt. Dieses Kratzen ist allerdings gefährlich, da sich der Stich dadurch entzündet und zu weiteren Problemen bis hin zu einer Blutvergiftung führen kann. 

3. Zecken

Die Zeit der wärmeliebenden Zecken ist nicht nur im Sommer. Sobald die Temperaturen an mehreren, hintereinander folgenden Tagen etwas mehr als 7 Grad betragen, erwachen die Tiere aus ihrem Winterschlaf und werden aktiv. Sie fallen allerdings nicht, wie häufig berichtet, von Sträuchern und Bäumen herab und befallen ihren Wirt. Vielmehr kommen sie nach der Überwinterungsphase aus dem Boden und klettern dann auf hohe Gräser und Kleinsträucher, wo sie von vorbeilaufenden „Blutspendern“ (Tiere oder Menschen) abgestreift werden, sich an selbigen festklammern und eine geeignete Stelle suchen, an der sie sich festbeißen und Blut aufnehmen können. Beim Saugen gibt die Zecke Speichel in die Wunde ab, das verhindert, dass die Blutplättchen verklumpen und so dass das Blut flüssig bleibt. 

Dieser Speichel beinhaltet gleichzeitig eine Art Betäubungsmittel, wodurch der Biss oder Stich dem Wirt weitgehend unbemerkt bleibt. Weltweit sind rund 900 Zeckenarten bekannt, die bei uns hauptsächlich verbreiteten Arten sind die Hirschzecke und die braune Hundszecke, die auch Holzbock genannt wird. Fast alle weltweit vorkommenden Zeckenarten sind bekannt als Überträger schlimmer Erkrankungen. Der Speichel der Zecke muss nicht zwangsläufig mit Krankheitserregern kontaminiert sein. Auf der nebenstehenden Karte wird angezeigt, in welchen Regionen ein Zeckenbiss besonders gefährlich sein kann. In den rot gekennzeichneten Gebieten besteht die Gefahr, dass Zecken Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis und oder der ­Borreliose im Speichel haben und den an ihre Wirte abgeben. Diese können sehr schwer und vor allem sehr langwierig daran erkranken und dauerhaft darunter leiden.

Insbesondere dann, wenn man in besonders gefährdeten Gebieten lebt, sollte man sich nach Spaziergängen in der freien Natur oder nach der Gartenarbeit auf einen möglichen Zeckenbefall untersuchen. Es besteht auch die Möglichkeit, sich bei seinem Hausarzt gegen Zecken impfen zu lassen. Diese Impfung ist jedoch nur gegen FSME wirksam und nicht gegen die Borreliose. Je früher ein Zeckenbefall entdeckt wird, desto besser kann man noch darauf einwirken. In jedem Fall sollte man sich danach bei einem Arzt melden. Dieser wird in den meisten Fällen eine Behandlung mit Antibiotika einleiten. Häufig bildet sich um die Einstichstelle ein roter Hof, verbunden mit einer leichten Schwellung. Das muss jedoch nicht zwangsläufig auftreten. Zecken sollte man nie einfach rausreißen, denn hierbei verbleibt meistens der Kopf in der Stichstelle, was zu bösartigen Entzündungen führen kann. Zum Entfernen der Zecke sollte eine Zecken-Zange oder -Karte verwendet werden. Mit Hilfe dieser speziellen, kleinen Geräte kann man die Zecke bequem aus der Haut ziehen bzw. hebeln, ohne dass dabei der Kopf abgerissen wird. Alte Hausmittel wie Öl oder Kleber auf die noch festsitzende Zecke aufzubringen ist wenig ratsam, denn dann wird das Tier seinen Kopf noch tiefer einbohren. Die Verbreitungsgebiete dehnen sich Jahr für Jahr weiter aus. Die hier eingefügte Karte verweist lediglich auf Zeckenbestände, die möglicherweise die Überträger von FSME sind. Die Verbreitungsgebiete von Zecken, die als Überträger der gefürchteten Borelliose gelten, sind vermutlich noch größer. Wer sich näher dafür interessiert, kann sich im Internet unter Zecken-Atlas 2021 näher informieren. 

Maschinen und Geräte

Gefahren gehen ganz besonders von Maschinen und Geräten aus, auch Hand- und Schneidgeräte gehören dazu. Der Gebrauch von Chemikalien (Pflanzenschutz und Dünger) sind nicht zu unterschätzen. Zu guter Letzt möchte ich noch die eigene Selbstüberschätzung erwähnen: muss man tatsächlich als Ü70er noch selbst in einen hohen Apfelbaum klettern und dort mit seiner Motorsäge Äste entfernen. Dies und andere Hinweise sollen Thema eines weiteren Artikels sein, der zu gegebenen Zeit an dieser Stelle veröffentlicht werden wird. Ich wünsche Ihnen viel Freude und sorgenfreie Zeit in Ihrem eigenen Garten­paradies.          

Ihr Peter Hagen