Tulpen für den Steingarten

Kleine wirken dort besser als große  

Tulpen haben im Frühjahr das Sagen im Garten. Sie blühen massenhaft, fast überall,  vorneweg großblumige, hohe Gartentulpen im April und Mai, . Im Steingarten haben sie allerdings weniger zu suchen. Für die dort meist niedrigen Pflanzen sind sie einfach zu mächtig. Dort passt etwas weniger Dominantes besser hin und findet sich bei Tulpen aus Turkestan, einem Gebiet Innerasiens, westlich des Kaspischen Meeres und östlich der Wüste Gobi.  

So weit gereist ist Tulipa turkestanica, die sich von üblichen Tulpen erheblich unterscheidet. Sie ist wesentlich zierlicher, wird nur 10–30 cm hoch und deswegen mitunter Gnomentulpe genannt. Ihre kleinen Blüten bilden sich zu mehreren je Stiel, zwei oder vier, sogar bis acht können es sein, elfenbeinweiß mit gelbem Grund, purpurnen Staubbeuteln, alles recht fein und locker, ein gänzlich anderes Tulpenbild als gewohnt und umso interessanter. Hinzu kommt die frühe Blüte, spätestens ab Anfang März, eventuell noch eher schon im Februar, je nach Witterung. Die ist im dortigen asiatischen Hochland zwischen 800–3.000 m wechselhaft, oft rau. Ebenso sind diese Tulpen an die karge, fast steppenhafte Umgebung zwischen Wacholderbüschen und anderem niedrigem Gesträuch sowie magere, oft steinige Erde gewöhnt. Damit passt sie in Steingärten entsprechenden Zuschnitts zu Pflanzen mit ähnlichen Vorlieben. Die Erde sei unbedingt durchlässig, der Standort vollsonnig. Auch Schotterhänge mit sukkulenten Gewächsen als Weggefährten gefallen.  

Eine andere kleine Tulpe, Tulipa tarda, wird bezeichnenderweise Sterntulpe genannt. Sie blüht nicht zur gleichen Zeit wie Gnomentulpe, sondern später, ab Anfang April, je nach Witterung. Die Stängel strecken sich 10–15 cm hoch und schmücken sich mit 3–6 sternförmigen Blüten, die sich bei Sonne weit öffnen, ent­weder ganz gelb sind oder zur Blütenblatt­spitze hin weißlich aufhellen. Außen ziert sie ein grüner Mittelstreifen. Diese Tulpe ist mit ihrer Unverdrossenheit etwas hoch Erfreuliches, fügt sich gut ein zwischen Gartenkrokussen und Polsterstauden. Außerdem hat sie die angenehme Eigenschaft, sich mit Ausläufern und reichlich Samen selbst zu vermehren, so dass sie sich gut zum Verwildern eignet. Einfach wachsen lassen ist das beste Rezept. Da Sterntulpe insgesamt recht anspruchslos ist, öffnen sich immer mehr ihrer Blütensterne an vielen Stellen des Gartens.  

Diese beiden kleinen Tulpen werden grundsätzlich wie große im September gepflanzt, was dem Wachstumsrhythmus von Tulpen entspricht und ihnen deswegen am besten zusagt. Pflanztiefe nach der Faustregel etwa doppelte Zwiebeldicke und jeweils zu mehreren Zwiebeln mit etwa 8–10 cm Abstand in Grüppchen. Vor allem die Sterntulpe lässt man möglichst für sich selbst und ihre weitere Vermehrung sorgen.   

Ilse Jaehner  

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