Was ist dran, an der Knoblauchrauke?

Das nehmen wir ganz locker 

Bekanntschaft mit Knoblauchrauke ergibt sich meist eher zufällig. Irgendwann an einem frühen Sommertag blüht in einer ziemlich versteckten Ecke im Garten was Weißes, was man nicht säte, was sich selbst dort etabliert hat, meist sogar mit mehreren Exemplaren, sozusagen büschelweise. Wer schon etwas vertrauter ist im Umgang mit Pflanzen und nicht auf Anhieb weiß, was er da vor sich hat, schaut sich das Ganze genauer an, vor allen Dingen aber, nimmt er seine Nase zu Hilfe. Manchmal sind Düfte so charakteristisch, dass dann schon ziemlich sicher ist, welche Pflanze man vor sich hat. Das könnte auch hier der Fall sein. Dazu muss man aber nicht nur intensiv riechen, sondern auch eines der Blätter zwischen den Fingern zerreiben und dann schnuppern. Aha! Das könnte was in Richtung Knoblauch sein, und so ist es. Die Knoblauchrauke hat sich im Garten eingefunden.

Das tut sie gern – vor allen Dingen Gärten in ländlichem Umfeld machen fast mit 100-prozentiger Sicherheit einmal Bekanntschaft mit Knoblauchrauke, weil sie praktisch bei uns überall zuhause ist – von Nord nach Süd und von Ost nach West. Sie ähnelt darin Brennnesseln, die ebenfalls überall auftauchen, ohne dass jemand sie gesät oder gepflanzt hätte. Und wie Brennnesseln liebt Knoblauchrauke lockereren, stickstoffreichen Boden in Nähe von Laubbäumen, Hecken, Gebüschen, ein bisschen im Schatten, doch nicht zu sehr, denn sie will doch gern bis 1 m hoch werden und dann von Juni bis August reichlich weiße Blütchen bilden, die schon auf den ersten Blick erkennen lassen, dass es sich um einen Kreuzblütler handelt. Auch die aus den Blüten hervorgehenden schotenähnlichen Samenfrüchte weisen darauf hin. Wenn man die ersten Pflanzen wachsen und samen lässt, findet sich bald auch an anderen Stellen des Gartens Knoblauchrauke.

Da wird es Zeit zu fragen: Was ist dran an der Knoblauchrauke, deren Duft dermaßen an Knoblauch erinnert, dass mancher denkt, man könnte mit Knoblauchrauke kräftig würzen und würde doch nicht nach Knoblauch riechen. Mit dem Knoblaucharoma ist es jedoch nicht so weit her. Vor allen Dingen verflüchtigt er sich, wenn man das Grün kocht. Man darf also klein zerhackte Blätter erst ganz zum Schluss zum Würzen verwenden und auch ganze Blätter nur frisch gebrauchen, zum Beispiel für gemischten grünen Salat oder ähnlich. So sehr die Blätter erwähnt werden, so selten hört man vom Nutzen der schwarzen Samen in den Schoten. Gut ausgereift und dann zerstoßen würzen sie merklich intensiver senfähnlich. Insgesamt lässt sich sagen: gut, wenn sich Knoblauchrauke von selbst einstellt – nehmen wir gern, was sie bietet, vertiefen gewissermaßen die Bekanntschaft – doch Knoblauchrauke extra aussäen oder pflanzen, das lohnt sich nicht.

Ilse Jaehner

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