Alant sollte vor Dämonen und Schlangenbiss schützen

Dass Alant heutzutage häufiger in Staudenbeeten als im Kräutergarten zu finden ist, liegt daran, dass sein Gebrauch in der Volksheilkunde früherer Jahrhunderte weitgehend vergessen ist. Diese aus Südosteuropa stammende Staude breitete sich schon früh in ganz Europa aus und war in vielen Kulturen eine beachtete Heilpflanze. Im alten Griechenland wurde sie bereits als Mittel gegen Schlangenbiss und bei Husten verwendet. Von den Römern ist überliefert, dass die Tochter des Kaisers Augustus täglich die Wurzeln des Alant in Form von Konfitüre, mit Rosinen und Datteln zubereitet, als Magenmittel zu sich nahm. Auch in der germanischen Mythologie spielte der Alant eine große Rolle; die volkstümlichen Namen Odinskopf und Wotanshaupt zeugen heute noch von diesem Volksglauben. Im Mittelalter wurden die Wurzeln zu einem Alantwein weiterverarbeitet, der als Allheilmittel galt. Noch bis heute sind die dämonenabwehrenden Kräfte dieser Pflanze im Volksglauben überliefert. So gehörte auch der Alant in die Kräuterbüschel, die an Maria Himmelfahrt in der Kirche geweiht wurden und zu Hause aufgehängt das Vieh vor Behexen und das Haus vor Blitzschlag schützen sollten. Heutzutage gilt der Alant in der Heilpflanzenanwendung vor allem als Hustenmittel mit einer auswurffördernden und leicht krampflösenden Wirkung und ist in vielen Teemischungen vertreten. 

Im Garten ist der Alant heutzutage zumeist als Prachtstaude bekannt, die mit ihrem buschigen Wuchs und ihrer Höhe von bis zu zwei Metern sehr auffällig wirkt. Jetzt im Mai öffnen sich die zahlreichen leuchtend gelben Blütenköpfe, die sofort von Insekten umlagert werden. Die ganze Vegetationszeit über schmückt sich diese Staude mit bis zu einem Meter groß werdenden graufilzigen Blättern, bevor sie im Herbst abstirbt, um jedes Jahr wieder aus dem fleischigen Wurzelstock neu auszutreiben.

Vom Alant (Inula) gibt es einige Dutzend Arten, die in Europa, Asien und Afrika beheimatet sind. Pflanzt man Alant als Heilpflanze an, empfiehlt es sich, die offizinelle Art, I. helenium, zu verwenden, die bis zu zwei Meter hoch wird. Als Schmuckstaude sehr geeignet ist die etwas niedrigere I. magnifica, die mit ihren goldgelben, großen Blüten besonders auffällt. Daneben gibt es noch einige kleine Arten, die besonders für den sonnigen Steingarten brauchbar sind.

Alant besorgt man sich am besten im Frühjahr als Jungpflanze und gibt ihm einen sonnigen bis halbschattigen Standort in nahrhaftem Boden. Da die hochwachsenden Arten sehr buschig werden und am besten wachsen, wenn sie jahrelang nicht umgepflanzt werden, gibt man ihnen reichlich Platz; ein Abstand von mindestens 50 Zentimetern zu anderen Kräutern oder Stauden ist ideal. Da der Alant für einen Kräutergarten fast zu gewaltig ist, bekommt er einen Platz in der hintersten Reihe, z.B. neben Beifuß oder Comfrey, und verdrängt dann nicht kleinere Kräuter.

Im Ziergartenbereich passt Alant optisch gut als Vorpflanzung vor dunklen Koniferen, genauso beliebt ist er aber auch wegen seiner nektarreichen Blüten im Naturgarten.

Im zeitigen Frühjahr kann man diese Staude gut über Teilung vermehren; zu diesem Zeitpunkt und auch im Herbst wird zur Verwendung als Heilmittel ein Teil der Wurzeln ausgegraben und gesäubert schonend getrocknet. 

Peter Busch