Höhen und Tiefen beim Pflanzen – Lehrstück Holunder

­­Schon im Januar beginnt das große Pflanzen und hält monatelang an. Zuerst sind Gehölze dran. Dabei gilt, Gehölze so tief zu pflanzen, wie sie zuvor in der Baumschule standen. Das erkennt man an unterschiedlicher Rindenfärbung im Übergang von den oberirdischen zu den unterirdischen Teilen oder an der Übereinstimmung von Oberkante Wurzelballen und Erdoberfläche. Kommen Pflanzen zu tief in die Erde, hat das üble Folgen.   

Bei einer Pflanzaktion geriet eine schöne Holunderpflanze der Sorte Sambucus nigra ‚Black Beauty‘ mit beinahe schwarzem, schlitzblättrigem Laub und rosa-weißen Blüten versehentlich zu tief in die Erde. Die Folge war, dass der Strauch partout nicht gedeihen wollte. Die vorhandenen Triebe entwickelten sich nicht weiter, neue waren schwach. Der Strauch dümpelte nur so vor sich hin. Die älteren Triebe starben sogar ab. Das ging zwei, drei Jahre, bis nur unten nah der Erde noch eine klägliche Triebknospe vorhanden war. Der Fehler: Man unternahm nichts. Erst als es so weit war, suchte man nach möglichen Ursachen. Weil irgendwelche Schädlinge an oberirdischen Teilen nicht zu entdecken waren, ebenso keine Anzeichen von Krankheit, musste die Sache mit den Wurzeln zu tun haben. Wühlmäuse konnten es nicht sein. Bei denen geht das Ende schneller und nicht über Jahre. Möglichst bald, nachdem man bemerkt, dass eine Pflanze nicht recht gedeihen will, ist es ratsam, nachzusehen. Es zeigte sich, dass zu tief gepflanzt wurde mit Triebansatz 11 cm unter der Erdoberfläche und entsprechend auch der Wurzelansatz zu tief. 11 cm scheinen nicht viel, aber sie genügen, um eine Pflanze langsam sterben zu lassen. Permanenter Luftmangel der zu tief steckenden Wurzeln sowie Schwäche der Stängelenden in der Erde waren schuld am desolaten Zustand der Pflanze. Nun wurde erneut und höher gepflanzt und auf Besserung gehofft. Der letzte schwache Triebansatz erholte sich tatsächlich und bildete drei Blätter, die aber Schnecken fraßen. Die Pflanze bestand also nur noch aus ein paar Wurzeln und kahlen Triebresten. Das schlechte Gewissen, solange zugeschaut zu haben, brachte dazu, den Rest einzutopfen und gut zu versorgen, im Winter sonnig auf der Fensterbank, im Sommer draußen im Blumenkasten. Von Frühjahr bis Herbst entwickelten sich zwei kräftige Triebe. ‚Black Beauty‘ war gerettet und wurde nun richtig hoch eingesetzt.   

Fazit: Sorgfältig pflanzen, doppelt aufpassen bei auf Unterlagen stehenden Obstgehölzen wegen deren Veredlungsstellen. Veredelte Rosen dagegen tief setzen, mit Veredlungsstelle 5 cm im Boden. Außer zu tiefem Pflanzen ist stark verdichteter Boden nach Erdarbeiten häufiger Grund, dass Pflanzen nicht gedeihen.   

Ilse Jaehner

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