Maikäfer
Gehört zu den am weitesten verbreiteten Bodenschädlingen in Mitteleuropa. Als Käfer wird er von Jung und Alt geradezu verehrt und jeder liebt ihn. Als Larve oder Engerling trifft wegen seiner enormen Fraßtätigkeit eher das Gegenteil zu. Er hat eine Länge von 5–7 cm sowie drei stabile Beinpaare. Am Vorderende seines hellbraunen Kopfes befinden sich zwei sehr kräftige Beißwerkzeuge. Ein Weibchen legt bis zu 70 Eiern, aus denen bereits nach 4 Wochen die Engerlinge schlüpfen. Diese verbleiben für drei Jahre im Boden, wobei sie mit ihrer Fraßtätigkeit von Anfang an dabei sind. Im Juli des dritten Jahres verpuppen sie sich im Boden und schlüpfen nach dem Winter passend zur Löwenzahnblüte als fertiger Maikäfer. Kurz darauf kommt es zur erneuten Eiablage. Befallen werden Rasenflächen, Gemüsebeete, Erdbeeren, Heidelbeeren, alle Arten von Stauden sowie Sträucher und Bäume.
Junikäfer
Ähnlich wie beim Maikäfer benötigt auch der Junikäfer mehrere Jahre bis zu seiner Vollentwicklung. Er hat es gerne warm und bevorzugt sandige Böden. Das Weibchen legt bis zu 35 Eier und kurioserweise immer da, wo es selber mal geschlüpft ist. Die Entwicklung vom Ei bis zur ersten Häutung verläuft in den Monaten Juli/August. Die Jungtiere wandern im Herbst bis zur Frostgrenze in tiefere Bodenschichten ab. Ab Juni, wenn die Erde sich erwärmt hat, kommen sie wieder nach oben und ernähren sich fortan von Pflanzenwurzeln. Nach einer weiteren Überwinterung in tieferen Bodenschichten kommen die Engerlinge im Frühjahr wieder nach oben, verpuppen sich als drittes Larvenstadium und schlüpfen im Juni. Die drei Jahre im Erdreich verbleibenden Larven beginnen im ersten Stadium mit 1 cm Länge, im zweiten werden sie 2–3 cm groß und im Endstadium kurz vor der Verpuppung sind sie bis zu 5 cm groß. Besonders stark befallen werden private Rasengrundstücke, aber auch zunehmend öffentliches Grün, Sportrasen und Golfplätze. Der erwachsene Käfer schädigt massiv Laub- und Obstgehölze.
Gartenlaubkäfer
Mai/Juni findet die Paarung der Gartenlaubkäfer statt, fast unmittelbar danach legt das Weibchen ca. 50 befruchtete Eier ab. Das sind ca. 70% von dem, was es an befruchteten Eiern produziert, anschließend legt es eine Pause ein und frisst einige Tage am frischen Grün der Bäume. Es verlässt dann den Brutplatz und legt in bis zu 4 km Entfernung den Rest ihrer Eier ab. Das bedeutet zum einen die Erweiterung der Brutplätze sowie eine Zeitverzögerung der Brut. Nach 3–4 Wochen schlüpft die Brut. Im Anschluss daran durchlaufen die Jungtiere drei rasche Larvenstadien. Um der Winterkälte zu entgehen, wandern die Larven im dritten Stadium ab Oktober in tiefere Bodenschichten ab, um zu überwintern. Die Larven ernähren sich vorwiegend von Pflanzen- bzw. Graswurzeln.
Dickmaulrüssler
Eine Käferart, die zu den Rüsselkäfern zählt, und die nicht fliegen, aber umso besser laufen kann. Käfer sowohl als auch Larve sind ein gefürchteter Gast im Gartenbau und hier besonders in Baumschulen. Der Käfer ist nachtaktiv und wird 1–3 Jahre alt und legt in diesem Zeitraum mehr als 1000 Eier ab. Diese sind unbefruchtet und werden direkt an den Wurzelhals von hartlaubigen Pflanzen im weiten Umfeld abgelegt. Die Larven ernähren sich am liebsten von jungen Wurzeln. Daher verursachen sie auch den größten Schaden. Die Käfer fressen Blätter und verursachen dabei den typischen Buchtenfraß. Als kleiner Trost, an diesen Fraßstellen lässt sich die Anwesenheit des Schädlings leicht erkennen. Bevorzugt befallen werden Rhododendron, Kirschlorbeer, Eibe, Liguster, Rosen, Efeu, Wein und Flieder. Der Dickmaulrüssler hat eine sehr kurze Entwicklungszeit und durchläuft alle Stadien von der Eiablage bis zum erwachsenen Käfer innerhalb von nur einem Jahr und verfügt deshalb auch über ein enormes Vermehrungspotential.
Rosenkäfer
Der Rosenkäfer richtet im Garten keine nennenswerten Schäden an, denn er lebt in einem anderen Umfeld und ernährt sich auch vollkommen anders als alle zuvor beschriebenen Arten.
Seine Larven ernähren sich von abgestorbenen Pflanzenteilen sowie Holzmulm, daher sind sie gern gesehen Gäste in Kompostern. Hier gelten sie eher als Humusbildner und tragen aktiv bei der Zersetzung von verschieden Kompostmaterialien bei. In der freien Natur findet man ihn gerne im Mulm von alten Bäumen. Nach der Eiablage schlüpfen die Larven nach 3–4 Wochen und die Entwicklung zum flugfähigen Großkäfer dauert, einschließlich dem Durchlaufen mehrerer Entwicklungsstadien 2–3 Jahre. Nach der letzten Entwicklungsphase verpuppt sich die Larve in einen tönnchenförmigen Kokon, den das Tier aus Material aus seinem Umfeld erstellt hat. Die Flugzeit startet im April sowie September/Oktober. Bei einem Massenauftreten kann es schon mal vorkommen, dass der hübsche Käfer über bunte großblumige Blüten herfällt (Pfingstrosen) und so lange an den Pollenträgern (Staubgefäße) und der Narbe frisst, bis die ganze Blüte auseinanderfällt. Man mag es ihm ob seiner Schönheit verzeihen.
Trauer–Rosenkäfer
Dieser Käfer ähnelt dem Rosenkäfer stark, ist aber viel kleiner; auch sein Verhalten kommt dem des Rosenkäfers nahe. Allerdings ist er schwarz, hat viele weiße Punkte auf dem Rücken und ist leicht behaart. Nach der Paarung legt das Weibchen einzelne Eier im Garten ab. Die Entwicklungszeit vom Ei zum Vollkäfer dauert ein Jahr. Die Larven oder Engerlinge ernähren sich, anders als beim Rosenkäfer, ausschließlich von Wurzeln. Die Larven sind im Endstadium 2,5 cm groß. Der flugfähige Käfer wird 8–12 mm groß. Bei einer Überpopulation überfallen sie leider gerne invasionsartig größere Blüten und fressen die Staubgefäße ab.
Wiesenschnake
Wiesenschnaken mit einer Größe von 16–25 mm sehen Mücken sehr ähnlich. Man nennt sie wegen ihrer langen Beine auch gerne Stelzmücken. Sie fliegen im Zeitraum von Anfang August bis Anfang September. Es sind genau die langbeinigen Mücken, die uns in lauen Sommernächten auch schon mal in unseren Wohnräumen besuchen. Keiner mag sie, aber für uns Menschen sind sie vollkommen harmlos, sie sticht nicht und frisst auch keine Pflanzen. Wer sie aber unter dem Rasen im Garten als Larve hat, wird schnell eines Besseren belehrt. Hier lebt sie dicht unter der Grasnarbe, wo sie sich ausschließlich von Rasenwurzeln ernährt. Die Larve der Wiesenschnake durchläuft bis zur vollständigen Entwicklung vier verschiedene Stadien. Sie hat keine Beine, hat ein tönnchenförmiges Aussehen, wird gestreckt bis zu 4 cm lang. Am Anus hat sie eine fratzenförmige Ausstülpung, die sie von der ähnlich großen Larve der Haarmücke klar unterscheidet. Diese nennt man auch Teufelsfratze. Die Haut und Farbe erinnert vage an eine alte, schmuddelige Lederjacke. Diese Larven verursachen den größten Schaden im Frühjahr und Frühsommer. Der Schaden äußert sich als unregelmäßige gelbe Flecken im Rasen, die später braun werden. Die Rasenflächen werden dabei so stark geschädigt, dass sie sich wie ein Stück Teppichboden hochheben lassen. Die Schäden werden leider erst im Frühjahr sichtbar. Dann ist es aber für eine Bekämpfung zu spät, denn der Schädling kann mit Nematoden ausschließlich nur im ersten Larvenstadium September/Oktober bekämpft werden. Unglücklicherweise bekommen größere Vögel mit, dass sich unter der Grasnarbe wohlschmeckende, nahrhafte Engerlinge befinden und kratzen und picken die ohnehin schon stark in Mitleidenschaft gezogene Grasnarbe noch weiter auf, die dem Besuch einer Rotte von Wildschweinen nahe kommt.
Bekämpfung der vorstehenden Schädlinge mit Nematoden
Wenn es um die Bekämpfung der beschriebenen Schädlinge geht, muss man zunächst klar herausstellen, dass es sich hierbei immer um zwei sehr unterschiedliche Entwicklungsstadien der Schaderreger handelt. Dies sind zum einen die Larven (Engerlinge), zum anderen die in der Metamorphose entstandenen Vollinsekten. Hier im konkreten Fall, fünf unterschiedliche Käferarten und eine Unterart der Mücken (Tipula). Am Ende dieses Artikels findet der Leser eine Tabelle, in der zu jedem der aufgeführten Schädlinge individuelle Angaben zu finden sind. Die Anwendungsmöglichkeiten von Nematoden sind bedeutend größer als nur die von mir aufgeführten. Viele weitere Hinweise bzw. Anwendungsmöglichkeiten findet man im Internet. Hier zunächst ein paar wichtige allgemeine Hinweise zu Anwendung von Nematoden.
Die Wirkungsweise von Nematoden
- Die Nematoden dringen aktiv in den Schädling ein.
- Innerhalb des Schädlings geben die Nematoden ein Bakterium ab und nach 1–2 Tagen stirbt der Schädling.
- In dem toten Schädling wachsen die Nematoden heran und vermehren sich.
- Die neuen Nematoden gehen auf die Suche nach weiteren Schädlingen. Dieser Prozess wiederholt sich bis die Nematoden keine neuen Schädlinge finden.
Je nach Schädling und Anwendungsbereich werden verschiedene Arten von Nematoden eingesetzt, um optimale Ergebnisse zu erhalten. Die Nematoden befallen dabei ganz gezielt die Schädlinge und sind für Menschen sowie Haustiere völlig harmlos. Das macht Nematoden zur optimalen Lösung für viele Schädlingsprobleme.
Die Verwendung von Nematoden ist eine natürliche Alternative zu chemischen Pflanzenschutzmitteln, die besonders gut in die heutige Zeit passt. Sie ist angepasst und gleichsam weltweit anwendbar für Landwirte, Hobbygärtner, Gartenbauer oder Pflanzenzüchter. Verfügbar sind sie gegen viele bekannte, aber auch seltenere Schädlinge. Die hier aufgeführten sind nur ein Bruchteil. US-amerikanischen und deutschen Wissenschaftlern ist schon in den 80er Jahren gelungen, Nematoden (Fadenwürmer) als Gegenspieler für Schädlinge zu züchten. Also viel besser, als weitere Abermillionen Tonnen von Pflanzenschutzmitteln, die jährlich weltweit immer noch auf unseren Kulturflächen versprüht werden.
Peter Hagen