Die neuen alten Pfirsiche
Erinnern wir uns! Gut im Gedächtnis haften die Plattpfirsiche der vergangenen Sommer, die das Angebot des Fachhandels bezüglich üblicher runder Pfirsiche regelrecht aufrollten. Da bist du platt! So köstlich schmecken Plattpfirsiche – süß, aromatisch, saftig, wie ehedem die anderen, runden gewohnten schon lange nicht mehr, ein neuer, unverbrauchter Pfirsichgeschmack! Diese Pfirsiche heißen wegen ihrer ausgeprägten Form Platt- oder Tellerpfirsiche. Man nennt sie wohl auch mal wild und Weinbergpfirsiche, sollte mehr von diesen Pfirsichen wissen, zuerst, dass sie aus Ostasien, besonders China, stammen. Da sind sie seit einigen Jahrtausenden Nutzpflanzen, keineswegs wild, im Gegenteil Kulturgut, gelten als Symbol der Unsterblichkeit. Inzwischen sind sie weltumspannend anzutreffen. Ferner darf man Plattpfirsiche nicht mit so genannten Weinbergpfirsichen verwechseln. Die sind mehr oder weniger europäischen Ursprungs, klein und rundlich, weniger saftig, weniger süß, jedoch würzig-aromatisch mit etwas bitterer Note, eben doch ganz was anderes.
Wer aufmerksam das Angebot an Plattpfirsichen im Handel beobachtete, auch selbst kaufte, wird bemerkt haben, dass die Früchte teilweise inzwischen leider von ihrer jungen Frische, ihrer Süße und Saftigkeit verloren haben. Manche schmecken eher fad als süß und unangenehm mehlig. Im Erwerbsanbau werden die Bäume gepäppelt, die Früchte dabei groß und für lange Transportwege und Handel schon hartreif gepflückt. Pfirsiche müssen jedoch unbedingt am Baum voll ausreifen. Dann schmecken sie gut, der wichtigste Grund, dass sie im eigenen Garten wachsen.
Wer Plattpfirsich pflanzen will, beachte, dass die Bäume warme, sonnige Plätze verlangen, garantiert frei von Spätfrösten. Pfirsiche blühen früh, und die Blüten erfrieren schnell. Alle Sorten sind selbstfruchtbar, brauchen also keine zweite Sorte als Bestäuber. Gängigste Baumform ist Busch oder Niederstamm, auch weil Pfirsichbäume regelmäßig geschnitten werden müssen. Ein solcher Baum wird 3,5–4 m hoch und beansprucht etwa 10 m². Nicht überdüngen! Die Früchte müssen nicht wer weiß wie dick sein und dadurch eventuell an Aroma verlieren. Beste Pflanzzeit ist der Nachwinter vor Austrieb; Pfirsiche pflanzt man nicht im Herbst.
Inzwischen stehen reichlich Sorten zur Auswahl. Eine schon etwas ältere, bewährte, ist ‚Saturn‘ aus USA. Der Baum blüht je nach Standort im April/Mai tiefrosa, die Früchte haben weißes Fleisch und reifen Ende Juli/Anfang August. Inzwischen gibt es weitere Angebote, sogar Nektarinen, also Tellerpfirsiche mit glatter Haut, einen Zwerg-Tellerpfirsich, der sich zum Beispiel auf einem Balkon im Kübel ziehen lässt und steinlose Sorten. Steine enthalten giftige Blausäure. Man verwendet sie zwar sowieso nicht, doch sind einem steinlose Früchte grundsätzlich sympathisch.
Ilse Jaehner