Des Gärtners Schrecken sind die Schnecken

Schnecken sind meistens die unbeliebtesten Bewohner in unseren Gärten. Sie hinterlassen eine glitzernde Schleimspur und nagen sich durch Salat, Kohl und viele Zierpflanzen und können ganze Ernten über Nacht zerstören. Lediglich hartblättrige Pflanzen verschmähen sie. Im Grunde genommen ist ihnen keine Pflanze heilig. Doch nicht alle Schnecken sind gleich und ihre Rolle im Garten-Ökosystem ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Schnecken sind ein bedeutsamer Bestandteil des Ökosystems im Garten. Während viele Arten zweifellos immensen Schaden anrichten, tragen andere zur Bodenverbesserung bei und regulieren die Populationen der schädlichen Arten. Ein Verständnis für die Biologie und das Verhalten der verschiedenen Schneckenarten ermöglicht es uns, effektive und nachhaltige Strategien zu entwickeln, die das Gleichgewicht in unserem Garten wahren, ohne die Umwelt unnötig zu belasten. Es gibt unzählige Arten, die in den unterschiedlichsten Habitaten der Erde vorkommen. Für uns Gärtner gibt es für diese sehr komplexe Tierart eine sehr einfache wie auch übersichtliche Unterteilung nach ihrem Aussehen bzw. Verhalten.    


Nacktschnecken   

Die bekanntesten Vertreter sind die Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) und die Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reticulatum). Sie haben kein schützendes Gehäuse und sind daher besonders anfällig für Austrocknung. Sie lieben feuchte, schattige Plätze und sind vor allem nachts aktiv. Ihre Hauptnahrung besteht aus jungen, zarten Pflanzen, was sie zu gefürchteten Schädlingen macht. Zu beachten ist, dass es unter den Nacktschnecken als auch bei den Gehäuseschnecken Arten gibt, die als Nützling eingestuft werden, da sie sich vorwiegend von den Eiern und Jungtieren anderer Schneckenarten ernähren. 


Gehäuseschnecken     

Ein bekanntes Beispiel ist die Weinbergschnecke (Helix pomatia). Im Gegensatz zu den Nacktschnecken sind Gehäuseschnecken oft nützlich. Die Weinbergschnecke steht sogar unter Naturschutz. Sie ernährt sich hauptsächlich von welken Pflanzenteilen und Algen. Auch die Bänderschnecke (Cepaea) mit ihren bunten, gestreiften Häusern ist ein typischer Gartenbewohner, der kaum Schaden anrichtet. Seit ca. fünf Jahren kommt in Deutschland auch eine neue, invasive Art vor und zwar die gefleckte Weinbergschnecke (Cornu aspersum). Sie stammt aus dem Mittelmeerraum, ist etwas kleiner als die heimische Weinbergschnecke und ernährt sich im Gegensatz zu ihrer größeren Schwester  nicht nur von totem Pflanzenmaterial,  sondern vorwiegend von vitalen Pflanzen.


Schadschnecken     

Sobald Schnecken an Nutzpflanzen fressen, bezeichnet man sie als Schadschnecken. Besonders gefährdet sind junge Pflanzen mit weichen Blättern wie Salat, Kohl, Zierpflanzen und Erdbeeren. Die Schäden sind oft leicht an den unregelmäßigen Fraßlöchern und den charakteristischen, silbrigen Schleimspuren zu erkennen. Die Spanische Wegschnecke ist dabei besonders problematisch. Sie vermehrt sich sehr schnell und hat kaum natürliche Feinde, da sie einen bitteren Schleim absondert, der sie für Igel, Kröten und Vögel ungenießbar macht. Zudem schreibt man ihr noch eine weitere sehr unangenehme Eigenschaft zu; sie verpaart sich zwischenzeitlich mit anderen Schnecken­arten. Das verhindert eine genaue Bestimmung und bedeutet zudem eine ungewollte Veränderung im Ökosystem. Alle nachfolgend aufgeführten Schadschneckenarten verfügen über unterschiedliche Lebenszyklen sowie differierende Vermehrungspotentiale. Eine weitere gefürchtete Nacktschneckenart ist die genetzte Ackerschnecke. Ihr extremer Lebenszyklus stellt eine besondere Herausforderung an alle Gärtner und Landwirte, denn sie ist rund um das Jahr aktiv. Es gibt zwei Generationen pro Jahr und Gelege mit bis zu 300 Eiern pro Schnecke. Die erste Eiablage erfolgt im Dezember, die zweite im Juni. Etwa sechs Wochen nach dem Schlüpfen sind die Jungtiere bereits Geschlechtsreif. 


Nützliche Schnecken    

Zu nützlichen Schneckenarten in Deutschland zählen die Schnegel so z.B. der Tigerschnegel (Limax maximus), der Schwarze Schnegel (Limax cinereoniger), der Bierschnegel (Limacus flavus), der Baumschnegel (Lehmannia marginata) und der Pilzschnegel (Malacolimax tenellus). Schnegel sind Nacktschnecken, die man von Wegschnecken durch ihren fehlenden oder nur angedeuteten Kiel und die Lage des Atemlochs unterscheiden kann. Nützliche Schnecken im Garten umfassen des weiteren die Weinbergschnecke (Helix pomatiadie), die Eier von Nacktschnecken frisst. Auch die Schnirkelschnecke und die Garten-Bänderschnecke werden zu den nützlichen Arten gezählt. Leider ist nur wenigen Menschen bekannt, dass es auch die nützlichen Arten unter den schleimigen Kriechern gibt. Der Nutzen dieser Tiere ist nicht zu unterschätzen und deshalb sollte man sie unbedingt leben lassen. Wer sich noch etwas näher damit befassen möchte, dem empfehle ich das Internet, wo man dutzende, spannende Artikel über Schnecken finden kann. Weniger empfehlenswert ist allerdings die Eingabe von dem Begriff „Nacktschnecken“.    

  

Wer sind sie wirklich?    

Schnecken sind eine Klasse der Weichtiere, die sich durch einen muskulösen Fuß und eine Raspelzunge zur Nahrungsaufnahme auszeichnen. Schnecken sind Zwitter, was bedeutet, dass jedes Tier männliche und weibliche Geschlechtsorgane besitzt. Zur Fortpflanzung benötigen sie jedoch einen Partner. Nach der Paarung legen beide Schnecken Eier in feuchte Erde, aus denen nach einigen Wochen winzige Jung­schnecken schlüpfen. Ihre Fortbewegung erfolgt durch wellenförmige Bewegungen des Fußes auf einer selbst produzierten Schleimschicht, die auch vor Austrocknung schützt und Halt gibt. Viele Arten besitzen ein Gehäuse zur Verteidigung und zum Schutz. Körperbau und Lebensweise sind sehr unterschiedlich. Weltweit gibt es schätzungsweise über 100.000 verschiedene Schneckenarten, wobei die genaue Zahl aufgrund der ständig neuen Entdeckungen und der enormen Artenvielfalt schwierig ist. Diese Vielfalt an Arten besiedelt nahezu jeden Lebensraum – vom Land über Süßwasser bis hin zu den Ozeanen. Und kaum zu glauben, es gibt Meeres- und Landschnecken, die sich den Bedingungen in Polargebieten angepasst haben. 


Umweltfreundliche Bekämpfungsmethoden      

Der Einsatz von chemischen Schneckenkornprodukten ist oft problematisch, da diese auch für Haustiere, Vögel und andere Nützlinge gefährlich sein können. Stattdessen gibt es eine Reihe von umweltfreundlichen Strategien:   

  • Absammeln: Die einfachste und effektivste Methode. Am besten sammelt man die Schnecken in den Abendstunden oder nach einem Regenguss ab. Doch was macht man dann mit den gesammelten Schnecken. Am besten übergießt man sie mit kochendem Wasser, dadurch werden sie schlagartig abgetötet. Eine Entsorgung beim Nachbarn hingegen ist weniger zu empfehlen.      
  • Schneckenbarrieren: Schneckenzäune aus Metall, Kupferbändern oder spezielle Schneckenkragen für Hochbeete können die Tiere abhalten. Schwachstrom über Kupferbänder gibt den Schnecken einen leichten Stromschlag, wenn sie es berühren.
  • Barriere – Pflanzen: Es gibt eine ganze Reihe von Pflanzen, die bei Schnecken nicht auf dem Speiseplan stehen. Pflanzt man diese als Barriere, kann man Schnecken davon abhalten sich unmittelbar am Salat zu laben. Z.B. Thymian, Salbei oder Tagetes.
  • Barrierestreifen: Kurzfristig helfen auch angelegte Streifen aus Fichtennadeln, Kalk, Sand, Sägemehl und Asche.
  • Mulchen und Bewässerung: Schnecken lieben feuchte Bedingungen. Indem man morgens statt abends gießt, trocknen die Beete bis zur Nacht ab, was die Aktivität der Schnecken reduziert. Ein offener Boden ohne dicke Mulchschicht ist ebenfalls weniger attraktiv.
  • Umsichtig Gärtnern, schonende Bodenbearbeitung: Das bedeutet, alles im Garten entfernen, unter dem sich Schnecken gerne verstecken (Bretter, Dachziegel, Platten). Bei der Bodenbearbeitung schonend umgehen, evtl. nicht umgraben und dabei Schneckeneier mit vergraben.
  • Natürliche Feinde fördern: Igel, Kröten, Blindschleichen, Eidechsen und bestimmte Vogelarten wie Amseln sind natürliche Fressfeinde von Schnecken. Ein naturnaher Garten mit Verstecken (z.B. Holzstapel oder Steinhaufen) lockt diese Nützlinge an.
  • Pflanzenwahl: Einige Pflanzen wie Tomaten, Knoblauch, Zwiebeln, Salbei und Thymian werden von Schnecken gemieden. Das Anpflanzen dieser Sorten in der Nähe von gefährdeten Pflanzen kann eine abschreckende Wirkung haben.
  • Kaffeesatz und Eierschalen: Diese Hausmittel können eine mechanische Barriere bilden. Schnecken meiden das Überwinden von scharfen Eierschalen oder klebrigem Kaffeesatz. Diese Mittel helfen jedoch immer nur kurzfristig.
  • Bierfallen: Eine alte Methode, bei der eine Schale mit Bier in den Boden eingelassen wird. Der Geruch zieht die Schnecken an, sie fallen hinein und ertrinken. Allerdings zieht diese Methode auch Schnecken aus der weiteren Umgebung an.
  • Chinesische Laufenten: Diese eleganten Tiere sind wunderschön anzusehen und vertilgen innerhalb kürzester Zeit viele Schnecken. Sind die Schnecken weg, fallen sie aber auch gerne über die Gemüsebeete her. Zu bedenken sind aber auch deren Hinterlassenschaften. 
  • Nematoden: Die wohl beste, vollkommen chemiefreie Methode Schnecken zu bekämpfen, ist der Einsatz von Fadenwürmern. Seit langer Zeit wird das bereits im kommerziellen Gemüseanbau praktiziert, im Kleingartenwesen setzt sich das leider noch sehr schleppend durch.


Bekämpfung mit Schneckenkorn     

Der Einsatz von Schneckenkorn zur Bekämpfung von Schnecken im Garten birgt erhebliche Risiken und Gefahren. Es ist wichtig, sich dieser bewusst zu sein und alternative Methoden in Betracht zu ziehen.  Die meisten Sorten von Schneckenkörner enthalten den Wirkstoff Metaldehyd. Dieser Stoff ist giftig und stellt eine ernsthafte Gefahr für Menschen, Haustiere und andere Tiere dar. Wird der Wirkstoff von den Schnecken aufgenommen, sondern diese extrem viel Schleim ab, dehydrieren stark und sterben ab. Schneckenkorn mit diesem Wirkstoff sollte nur kontrolliert ausgebracht und die getöteten Schnecken rasch entfernt werden, damit sie nicht für andere Tiere als Futter zur Verfügung stehen und womöglich den Wirkstoff aufnehmen. Schneckenkorn mit dem Wirkstoff ist in einigen Ländern und für den privaten Gebrauch nicht mehr zugelassen. Es zerfällt im Boden zu Kohlendioxid und Wasser.

  • Für Haustiere und Kinder: Metaldehyd-haltiges Schneckenkorn ist besonders gefährlich für Hunde, Katzen und Kleinkinder. Schon eine geringe Menge kann zu schweren Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Krämpfen, Desorientierung und in schweren Fällen zum Tod führen. Bitterstoffe, die dem Schneckenkorn oft zugesetzt sind, bieten keinen zuverlässigen Schutz, da sie Haustiere oft nicht vom Verzehr abhalten.     
  • Für Nützlinge und Umwelt: Schneckenkorn schädigt auch nützliche Tiere im Garten wie Igel, Vögel, Laufkäfer und Regenwürmer, die entweder das Korn direkt fressen oder vergiftete Schnecken als Beute zu sich nehmen. Der Wirkstoff kann sich zudem im Grundwasser anreichern und die Umwelt belasten.

Es gibt zwar auch Schneckenkörner auf Basis von Eisen-III-Phosphat, die als umweltfreundlicher und unschädlich für Haustiere gelten. Bei sachgemäßer Anwendung sind sie weniger gefährlich, dennoch sollte der Kontakt von Kindern und Haustieren mit dem Granulat vermieden werden. Eisen-III-Phosphat ist ein natürlich vorkommender Stoff, der in einigen Produkten, insbesondere in solchen mit dem Zusatz „Ferro“ oder „Bio“, enthalten ist. Er wirkt als Fraßhemmer: Schnecken, die diesen Köder aufnehmen, stellen das Fressen schnell ein und ziehen sich in ihre Verstecke zurück, wo sie verenden. Eisen-III-Phosphat wird im Boden in Pflanzennährstoffe (Eisen und Phosphat) umgewandelt und gilt als umweltfreundlicher und sicherer für Haustiere, Vögel und andere Tiere. Produkte mit diesem Wirkstoff sind oft für den biologischen Anbau zugelassen. Wer dieses Schneckenkorn verwendet wird also nicht wie bei dem anderen Wirkstoff verendete Schnecken im Garten finden. Nachteilig ist zudem, dass die Aufwandmenge etwas größer ist, es werden ca. 100–120 „Körner“ pro Quadratmeter benötigt. Nachteilig hat sich auch die Größe dieses Schneckenkorns erwiesen, da es von Jungschnecken nur schwer aufgenommen werden kann. 

Allen Bekämpfungsmaßnahmen zum Trotz, das Hauptproblem mit den Schnecken sind nicht die erwachsenen Tiere, denn diese lassen sich relativ einfach mit all den aufgeführten umweltschonenden Maßnahmen bekämpfen. Es sind deren Jungtiere, die als winzige Nackt- oder auch Gehäuseschnecken, für den Gärtner nicht sichtbar, zwischen Salat- oder Kohlblättern leben und hier ihr Unwesen treiben.         

Ein Verständnis für die Biologie und das Verhalten der verschiedenen Schneckenarten ermöglicht es uns, effektive und nachhaltige Strategien zu entwickeln, die das Gleichgewicht in unserem Garten wahren, ohne die Umwelt unnötig zu belasten.      

Wilhelm Busch hat ein bekanntes Gedicht über diese Tierart geschrieben, das „Die Schnecken“ heißt. Es ist eine humorvolle Beobachtung der kleinen Tiere bei ihren nächtlichen Aktivitäten, die sehr zutreffend sind. 

Peter Hagen    


Die Schnecken        


Rötlich dämmert es im Westen, und der laute Tag verklingt, nur dass auf den höchsten Ästen lieblich noch die Drossel singt.

Jetzt in dichtbelaubten Hecken, wo es still verborgen blieb, rüstet sich das Volk der Schnecken für den nächtlichen Betrieb.

Tastend streckt sich ihr Gehörne, schwach nur ist das Augenlicht, dennoch schon aus weiter Ferne wittern sie ihr Leibgericht.

Schleimig, säumig, aber stete, immer auf dem nächsten Pfad, finden sie die Gartenbeete mit dem schönsten Kopfsalat.

Hier vereint zu ernsten Dingen, bis zum Morgensonnenschein, nagen sie geheim und dringen tief ins grüne Herz hinein.

Darum braucht die Köchin Jettchen dieses Kraut nie ohne Arg, sorgsam prüft sie jedes Blättchen, ob sich nichts darin verbarg.

Sie hat Furcht, den Zorn zu wecken ihres lieben gnäd’gen Herrn. Kopfsalat vermischt mit Schnecken mag der alte Kerl nicht gern.


–Wilhelm Busch


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