Feind und Freund im Garten: Schnecken

Wovon wir Hobbygärtner nur träumen, ist bei den Profi-Gemüseanbauern bereits voll in der Entwicklung: Geräte, vollgestopft mit künstlicher Intelligenz, kontrollieren tagein tagaus die Beete auf Schneckenbefall. Sie sind nicht nur in Lage, schädliche von nützlichen Schnecken zu unterscheiden, sondern können auch entdeckte Kriecher augenblicklich unschädlich machen. Das geschieht nicht durch Chemie, sondern mechanisch, heißt: sie werden so aufgespießt, dass sie ohne große Qualen schnellstmöglich aus dem Leben scheiden. Auf diese Weise vermeidet man den Einsatz von Schneckenmitteln (Fachbegriff:  Molluskizide) wie Schneckenkorn. Der Hobbygärtner dagegen muss andere Wege gehen, wenn er etwas gegen diese ungewollten Mitesser unternehmen möchte – zumal, wenn er seinen Garten naturgemäß bewirtschaftet. 

Die einfachste Methode besteht darin, dass man den natürlichen Fressfeinden Lebensräume anbietet: Laub- und Reisighaufen für den Igel, Sträucher und Bäume für Amsel und Drossel, Feuchtbiotope und Versteckmöglichkeiten für Kröten, Frösche, Käfer (z.B. Laufkäfer) und deren Larven. Wie aber kann man selbst aktiv werden und vorbeugend bzw. bekämpfend gegen diese Tierchen vorgehen?

Zum Glück hat sich die Schneckenproblematik durch die trockenen Sommer der letzten Jahre in manchen Gegenden relativiert. Wer auf Sandboden gärtnert, konnte sich auf andere Dinge als die Schneckenbekämpfung konzentrieren, da diese kaum an den Salaten oder Tagetes zu entdecken waren. Wichtig dabei ist allerdings – und das nicht nur auf Sandböden – 

dass die Bewässerung möglichst nicht durch Flächenregner stattfindet. Dadurch steht den Schnecken nämlich auch bei trockener Witterung überall feuchter Boden zur Verfügung: genau das, was sie lieben. Sie können dann umherkriechen wie sie nur wollen. Bei Punktbewässerung (z.B. mit Brause an einem Schlauch) dagegen wird lediglich die Erde um die zu gießenden Pflanzen nass. Dazwischen bleiben trockene Bereiche, die für die Schnecken eine ungeliebte Barriere darstellen. Ein zusätzlicher Pluspunkt für Gießkannen mit abgestandenem Wasser: die Pflanzen bekommen keinen Kälteschock und der Gießende kann vermeiden, dass die Blätter benetzt werden, was wiederum vor Pilzerkrankungen schützen kann. Dieses Verfahren ist allerdings eher in überschaubar großen Gärten praktikabel. Wenn die ungewässerten Flächen auch noch regelmäßig gehackt werden, so dass eine feinkrümelige Oberbodenstruktur entsteht, wird sich kaum ein Schleimer finden, der darüber möchte. Das ist zwar eine wirksame Methode, Schnecken zu bremsen, allerdings arbeitsintensiver als nur den Wasserhahn für die Beregnung aufzudrehen. 

Um Schnecken anzulocken, sind Bierfallen ideal. Da diese Lockwirkung aber recht stark ist, werden auch Schnecken, die außerhalb des Gartens kriechen, den Weg zu der Köstlichkeit finden wollen. Wenn sie dann unterwegs an einem Salat vorbeikommen und die Morgensonne gerade die Oberflächen austrocknet, werden sie vielleicht sogar schwach, machen dort Station und genießen erst mal diese zarten Blättchen. Daraus kann man schließen: wenn schon Bierfallen, dann an den äußeren Grenzen des Gartens, so dass Schnecken nur aus und nicht in den Garten gelockt werden. Ein weiterer Nachteil dieser Methode: auf Bier reagieren nicht nur die schädlichen, sondern auch die nützlichen Schnecken.

Schnecken, die nützlich sind? Ja, die gibt es wirklich! Um genau zu sein: die meisten der Schneckenarten bei uns sind keine Schädlinge, da sie sich lediglich von Moder ernähren, somit als Zersetzer wirken und zudem Nahrung für viele andere Tiere darstellen. Als Helfer des Gärtners könnte man den Tigerschnegel bezeichnen, der nur selten an frisches Grün geht, Angewelktes und Moderndes dagegen liebt und deshalb sein nützliches Werk zumeist im Komposthaufen verrichtet. Wenn sich die Gelegenheit bietet, greift er aber auch andere Nacktschnecken an oder macht sich über deren Eigelege her. Gänzlich auf pflanzliche Kost verzichtet die Große Glanzschnecke, die räuberisch lebt und explizit zu den nützlichen Schnecken zählt. Sie ist einerseits recht unscheinbar, da ihr flaches Gehäuse nur bis 16 mm breit wird – andererseits ist sie auffällig, da sie einen dunkel kobaltblauen Körper hat. Diese etwas außergewöhnliche Schnecke ist dabei kein Lebewesen in fernen Ländern, sondern ist auch hier in vielen Gärten anzutreffen – man muss nur genauer hinsehen!

Da also Schnecke nicht gleich Schnecke ist, sollte sich die Bekämpfung nur auf die schädigenden Organismen beschränken. Aus diesem Blickwinkel scheidet das so beliebte Schneckenkorn auf jeden Fall aus, da auch deren Lockstoffe (ebenso wie beim Bier) eine Anziehungskraft auf sämtliche Schnecken hat – ob sie nun unsere Jungpflanzen oder aber Artgenossen als Lieblingsspeise vorziehen. 

Ja – was soll der Hobbygärtner denn nun machen? Zuallererst sich informieren: wie lebt eine Schnecke? Sie liebt Feuchtigkeit und meidet die Sonne. Also schaffen wir entsprechende künstliche Treffpunkte. Dazu eignen sich Bretter, die an gefährdeten Stellen im Garten verteilt werden und insbesondere bei trockener Witterung stets feucht gehalten werden müssen. Schon nach recht kurzer Zeit hat sich das herumgesprochen und solch ein Brett wird zum beliebten Versammlungsort, an dem der Gartenbesitzer nur noch die „bösen“ Schnecken aussortieren und entfernen muss (Erkennungshilfe bietet u.a. das Internet; Suchwort „Schnecken erkennen“). Da die nützlichen Schnecken übrigbleiben, können sie sich unbeschadet vermehren und somit im Laufe der Zeit tatkräftig bei der Reduzierung der schädigenden Kriecher mithelfen. Um die glitschigen Tierchen greifen zu können, bietet sich für die kleinen eine Pinzette und für die ausgewachsenen eine Schneckenzange an. Da die Schnecken außerdem im Herbst geeignete Stellen suchen, um ihre Eier für die nächste Generation abzulegen, nehmen sie die feuchte und dunkle Unterseite der Bretter auch gerne als Ablegeort. Da die sehr schädliche Spanische Wegschnecke den Hauptanteil an der hiesigen Schneckenpopulation trägt, gehören die Gelege auch zumeist zu dieser Schneckenart. Fehlen diese Bretter, graben sie sich nämlich oftmals in den Beeten ein, um unter der Erde dieser Tätigkeit nachzugehen. Wenn die Jungtiere dann im Folgejahr hochkriechen, finden sie auf dem Beet eventuell schon einen reich gedeckten Tisch vor. Mit dem Anbieten unserer künstlichen Legestellen schiebt man mit dem Entfernen der Unterbrett-Eier der unkontrollierten Vermehrung einen Riegel vor. Meist reicht es schon, die Eier offen liegen zu lassen, so dass Amseln und Co. sich bedienen können. Wenn sich unter so einem Brett eine kleine Vertiefung befindet, kann man zudem immer wieder beobachten, dass sich dort Erdkröten einfinden und mithelfen, die Schneckenanzahl zu dezimieren. 

Um frisch gesetzte Salatpflänzchen zu schützen, kann man auch hier diese Methode anwenden. Man nimmt kleine Brettchen, die in unmittelbarer Nähe der Jungpflanze gelegt werden, um den Schnecken einen Schutz vor den Sonnenstrahlen anzubieten, der nicht aus einem Salatblatt besteht. Kontrollieren sollte man an jedem Tag, um die Fraßtätigkeit auf höchstens eine Nacht zu beschränken. Da Salat im Frühjahr gesetzt wird und die Schnecken zu der Zeit noch nicht ausgewachsen sind, hält sich der einmalige, nächtliche Fraßschaden zumeist noch in Grenzen. 

Was macht man nun mit den gesammelten Tieren? Setzt man sie fernab des Gartens in der freien Natur aus, besteht die Gefahr, dass dadurch das natürliche Gleichgewicht gestört werden kann und die gefürchtete Spanische Wegschnecke sich auch dort vermehrt. Alternative Lösung: das Töten der Schnecken. Sind die Mengen überschaubar, kann man sie, falls vorhanden, an Hühner verfüttern; man sollte jedoch bedenken, dass der Geschmack von einem Ei auch von der Nahrung der Hühner abhängt; es kann also tatsächlich sein, dass die Eier einen gewissen Schneckengeschmack bekommen können! Immer wieder hört man auch: „Ich streu Salz drüber, dann lösen die sich auf!“ oder „Mit einer Schere schneide ich sie mittendurch!“ Das ist Tierquälerei und vollkommen abzulehnen. Schließlich sollte man nie vergessen, dass es Lebewesen sind, die uns zwar schaden, aber das nicht aus Böswilligkeit tun, sondern aus normalem Selbsterhaltungstrieb. Das Töten sollte somit keine Rache sein! Schlussfolgerung: wenn schon töten, dann rasch und möglichst schmerzlos. Dazu bietet sich im Verhältnis zu der jeweiligen Schneckenmenge eine große Menge kochendes Wasser an, in die die gesammelten Tiere geschüttet werden, wodurch sie augenblicklich sterben. Auch nicht schön – aber ist eine Entsorgung in der Müllverbrennungsanlage mittels Mülltonne „humaner“?  

Manfred Kotters