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Gut für verschiedene Zwecke
Es gibt wilde und kultivierte Haselnusssträucher. Man tut gut, sie auseinanderzuhalten, weil jede Gruppe anderen Zwecken dient. Die wilde Hasel Corylus avellana ist in Europa heimisch. Ihre Früchte, Haselnüsse, ernährten schon Neandertaler. Sie ernährten sie möglicherweise immer noch, wenn nicht inzwischen kultivierte Sträucher mit besseren Früchten pflanzwürdiger wären. Die reine Art hat jedoch immer noch Daseinsberechtigung als Bestandteil der heimischen Flora, als Gesträuch am Waldsaum, als Deckstrauch im Siedlungsbereich, als Bienenweide, ohne große Ansprüche, sich immer wieder durch Schösslinge erneuernd, schnittverträglich, kurz, als Wildstrauch durchaus brauchbar.
Etwas anders verhält es sich mit Haselsträuchern, die schmackhafte Früchte liefern sollen und darüber hinaus einen gewissen Zierwert haben. Als Nusslieferanten werden Sorten gepflanzt. Man braucht dafür nur gesunde, kräftige Triebe zu etwa einem Drittel im unteren Bereich zu entblättern und in humose Erde zu stecken, vorteilhaft im November/Dezember, und es bilden sich Wurzeln. Oder man macht Absenker. Dazu bodennahe Triebe weiter senken und in Erde betten. Die bekanntesten Sorten sind: ‚Hallesche Riesennuss‘, ‚Wunder von Bollweiler‘, ‚Webbs Preisnuss‘, ‚Rote Zellernuss‘. Zu diesen bewährten, älteren Sorten kommen neuere Züchtungen wie etwa ‚Ennis’ oder ‚Emoa‘. Man informiere sich über das Sortiment und beziehe möglichst von Spezial-Baumschulen, bevor man pflanzt, vorteilhaft nicht nur eine Sorte, sondern mindestens zwei. Haselsträucher tragen zwar auch als Einzelsträucher, jedoch besser, wenn mehrere Sorten sich gegenseitig befruchten. Außerdem geht der Trend weg von wurzelechten Sträuchern, hin zu veredelten. Als Unterlage dient die Baumhasel Avellana colurna, die normal als Baum wächst. Die aufveredelten Sorten gewinnen mit größeren, geschmackvolleren Früchten, sind gesund und robust, treiben keine Schösslinge, die die Pflege erschweren. Auch schleichen sich keine wilden Haselnusssträucher ein, die die Kultursorten vertreiben könnten. Außerdem hat sich die Baumhasel als anpassungsfähig an den Klimawandel herausgestellt, wovon auch die aufveredelten Sträucher profitieren.
Gartenwürdige Haselsorten lassen sich nebenbei als Ziergehölze nutzen. Das betrifft in erster Linie unterschiedliche Blattfärbungen, die vor allem während des Austriebs zur Geltung kommen. Zwei rotblättrige sind unterschiedlich zu bewerten, was die Beständigkeit der Laubfärbung betrifft. Die Blätter der ‚Rotblättrigen Zellernuss‘ ergrünen im Sommer mehr oder weniger, während die Blätter der Bluthasel Corylus maxima ‚Purpurea‘ beständig rot bleiben, aber der Nussertrag geringer ist. Dritte im Bunde wäre die Goldhasel ‚Aurea’ mit goldgelben Blättern. Sie ist vor allem im Frühjahr und Herbst schwächer wachsend und fruchtend. Die Korkzieherhasel gefällt mit ihren verdrehten Zweigen, bildet wohl Nüsse, meist jedoch wenige. Die Baumhasel ihrerseits ist ein schöner Baum, wird zwischen 15–18 m hoch mit sehr ausgeprägt gleichmäßiger Krone und essbaren
Früchten.
Ilse Jaehner