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Dass es sich lohnen kann sich auch gelegentlich die abgeblühten Stiele der verschiedenen Gartenpflanzen aus der Nähe zu betrachten ist eine Erfahrung, die ich kürzlich mit den trockenen Fruchtständen des Löwenmäulchens machte. Oder vielleicht besser der Löwenmäulchen, denn die Gattung Anthirrhinum umfasst etwa 30 Arten. Ich hatte das Glück auch die Fruchtstände von zwei verschiedenen Arten in Augenschein nehmen zu können – Antirrhinum majus und A. barrelieri. Letztere wurde vor einiger Zeit schon im ELW vorgestellt.
Vorsichtshalber sollte man sich aber mit einer Handlupe mit wenigstens fünffacher Vergrösserung ausstatten. Denn dann wird die Erfahrung zu einem richtigen Erlebnis, denn die trockenen Samenbehälter warten mit recht gruseligen Formen auf. Sie ähneln Totenköpfen oder Geistergesichtern. Es sind dies die eingetrockneten Samenbehälter dieser Pflanzen. Und dabei sind das keine Einzelfälle oder zufällige Erscheinungen, denn fast alle sehen mehr oder weniger gruselig aus, wobei auch sehenswürdige Exemplare zu finden sind. Die Botaniker sprechen bei dieser Fruchtform von Kapselfrüchten, die sich mit 2 oder 3 Poren öffnen. Sind es nur zwei Poren haben wir das typische Geistergesicht, denn diese Poren sind auf gleicher Ebene angeordnet wie die Augen. Aus diesen Poren fallen dann zum Reifezeitpunkt die zahlreich enthaltenen Samen.
Die Löwenmäuler oder Löwenmäulchen sind beliebte einjährige oder mehrjährige Kräuter, die sehr reich und lange und in verschiedenen Farben blühen. Sie haben auch die zuweilen angenehme Eigenschaft sich durch Selbstaussaat im Garten zu halten, allerdings ohne aufdringlich zu werden.
Die Totenkopf ähnlichen Kapselfrüchte werden leider leicht übersehen oder vielleicht auch direkt nach erfogter Blüte im unreifen Zustand entfernt. Mit der Lupe lässt sich diese besondere und ungewöhnliche Fruchtform gut erkennen. Wenn wir sie stehen lassen bleiben die Blütenstiele mit den abgetrockneten Früchten an sich recht lange erhalten, Sie können ja mal bewusst darauf achten oder vielleicht einfach mal die entsprechenden Samen in Direktaussaat ausstreuen. Die Früchte reifen auch rechtzeitig zu Halloween aus, so dass auch Gartennachbarn durchaus überrascht werden können.
Thomas Bay