Was schlängelt denn da?

Das ist die Frage      

Wer es abwechslungsreich im Garten haben will, verbünde sich mit Zwiebelgewächsen. Die lassen sich vieles einfallen, so Schlangenlauch und Schlangenknoblauch. Was haben die mit Schlangen zu tun? Das fragt man sich insbesondere bei Schlangenlauch, botanisch Allium scorodoprasum, ein pittoreskes Gewächs, sieht ohne Blüten fast wie Schnittlauch aus, bildet an langen Blütenstandstängeln keine Blüten ähnlich Schnittlauch, sondern eine Ansammlung von kleinen Brutzwiebelchen, aus deren Mitte langgestielte, purpurrote Blüten ragen. Deren Stängel krümmen sich teils. Vielleicht sagt man deswegen Schlangenlauch. Andere Verbindung zu Schlangen gibt es nicht.     

Die Stiftung Naturschutz Berlin hat sich dieser heimischen Pflanze angenommen. Sie war früher weit verbreitet, wird inzwischen wegen der geänderten Wirtschaftsweise von Wiesen mit Mahd schon vor Ende Juni immer seltener. Die Berliner haben Schlangenlauch vor der Haustür, in den vielen Parkwiesen mit nährstoffreichem, frischem Boden, besonders in Flusstälern, so von Spree und Havel. Ähnliche Standorte gibt es im übrigen Bundesgebiet. Alles ist essbar, Blätter, Blüten, Brutzwiebeln, ein Geschenk für Feinschmecker. Vermehrt wird mit Hilfe der Zwiebelchen, die man im Herbst mit Reihenabstand von 25 cm in der Reihe 10–15 cm auseinander spitzentief einsetzt, im ersten Winter eventuell mit etwas Bodendecke als Winterschutz. Wo sich Schlangenlauch wohlfühlt, wächst er selbstständig weiter, bildet Brutzwiebeln und Samen, bei früher Herbstpflanzung auch größere Zwiebeln als vorwiegend kleine. Man sollte nach Herbsternte zügig verbrauchen, denn die Zwiebeln halten nicht lange.    

Um Schlangenknoblauch von Schlangenlauch zu unterscheiden, sind botanische Namen unverzichtbar. Schlangenknoblauch heißt Allium sativum var. ophioscorodon. Bei ihm ist der Bezug zu Schlangen augenfällig, denn vor der Blütezeit dreht sich der Stängel auffallend schlangenförmig. Am Ende der Stiele bilden sich aber keine Blüten, sondern Brutzwiebeln in Knollenform, dazu weitere Brutzwiebeln in der Erde, alles zum Würzen von Speisen mit Knoblauchgeschmack, milder als der von regulärem Knoblauch und daher von feinfühligen Verbrauchern bevorzugt.   

Schlangenknoblauch ist so interessant, so pflegeleicht, benimmt sich so zivilisiert, dass man dies Zwiebelgewächs im ganzen Garten dort ansiedelt, wo es hinpasst. Wild wächst es an warmen, sonnigen Plätzen in deutschen Mittelgebirgslagen, im Alpenvorland, an der Ostseeküste und ähnlichen Gebieten, außerhalb Deutschlands unter anderem in der Ukraine, auf den Kanarischen Inseln. Etwas gebremste Trockenheit wird vertragen. Im Garten passt Schlangenknoblauch in Wildfluren ähnlichen Charakters, wahlweise auf Blumenbeete, wo man ihn sich selbst überlässt und er sich selbst vermehrt, nur vegetativ, nicht durch Samen. Beide Alliumarten gehen ziemlich willkürlich unter Rockenbolle, Rocambole und Ähnlichem. 

Ilse Jaehner

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