Esskastanien auch aus dem eigenen Garten

Der Wunsch, auch seltenere Früchte im eigenen Garten zu ernten, macht ebenfalls nicht vor den Esskastanien halt; sie werden vermehrt gepflanzt.      

Esskastanien, Castanea sativa, die Früchte sind auch als Maronen bekannt, werden schon seit über 2000 Jahren in Südeuropa angebaut. In Mitteleuropa findet man sie vorwiegend in warmen Gegenden wie im Rheingau, Kaiserstuhl, in der Pfalz und an der Bergstraße. Die Maronen verlangen warme Standorte und einen leicht sauren Boden (pH 4,5–5,5), der tiefgründig und etwas fruchtbar sein sollte. Die Früchte reifen erst dann aus, wenn sie über einen längeren Zeitraum besonnt wurden. Zum vollkommenen Ausreifen brauchen sie eine Wärmesumme von 2000 Grad Celsius. Dies ist die Summe aller mittleren Tagestemperaturen über ca. 5 Grad Celsius eines Jahres.    

Außerhalb des Weinbauklimas empfiehlt sich ein Anbau nur, wenn das Mikroklima stimmt. Dazu gehört z.B. ein vor Ostwinden geschützter vollsonniger Stand am Haus oder ein sonniger Innenhof. Ein Anbau im Bergland oder im eher nasskalten Klima kann dagegen nicht empfohlen werden. Gerade in den letzten Jahren, meist ein kaltes Frühjahr und ein warmer Sommer bzw. umgekehrt, wird an diesen ungünstigeren Standorten nicht annäherungsweise die notwendige Wärmesumme erreicht, und erst ein Bilderbuchfrühjahr und -sommer kann mit etwas Glück zu einem Ertrag an Esskastanien führen. Ansonsten erntet man höchstens Maronen, die nur die Größe von Haselnüssen aufweisen.      

Um zu einer Esskastanie im Garten zu kommen, ist es am einfachsten, im Frühjahr eine Marone im Haus im Topf auszusäen und später in den Garten zu pflanzen. Legt man allerdings Wert auf einen Ertrag von über 50 kg pro Baum und Jahr, sollte man sich ver­edelte Exemplare in der Baumschule erwerben, die auch schon ab dem dritten Jahr fruchten. Zu bedenken ist ferner, dass die Wildarten drei kleinere Früchte je Hülle entwickeln, während die veredelten Sorten eine große Marone ausbilden.  Wichtig zu wissen ist es auch, dass einzelne Bäume meistens nicht gut befruchtet werden, da die männlichen und weiblichen Blüten oft nicht gleichzeitig erscheinen; eine Anpflanzung mehrerer Bäume sorgt für die gewünschte Fremdbefruchtung. Die Blüten erscheinen Mitte Juni und sind damit nicht mehr frostgefährdet; zum Herbst bilden sich dann die typischen Früchte in ihrer stacheligen Hülle.   

Bei guten Bedingungen wachsen Esskastanien zu Bäumen mit einer Größe von bis zu 30 Metern heran; typisch für die Art ist die dunkelbraune, rissige Rinde. Das Holz ist übrigens sehr witterungsbeständig und wurde früher gerne zur Herstellung von Fässern, Stallböden, Telegrafenstangen sowie zum Schiffbau benutzt.    

In England verwendet man das Holz auch heute noch gerne zum Bau von Gartenzäunen. Da Esskastanien willig wieder ausschlagen, wenn sie auf den Stock zurückgeschnitten werden, lassen sich ständig Zaunlatten in passender Größe schneiden, die dann halbiert verwendet werden. 

Der beste Schnittzeitpunkt der Edelkastanien, die zur Ernte der Maronen bestimmt sind, ist nah der winterlichen Ruhezeit am besten kurz vor dem Austrieb. In der Regel benötigen Maronen keinen so regelmäßigen Schnitt wie Kern- und Steinobst; bei älteren Exemplaren kann man alles nach innen wachsende oder störende Holz ausschneiden.   

Peter Busch   

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