Über Winter genug Futter für Vögel

Jedes Jahr, wenn es draußen anfängt kalt zu werden, beginnt die Zeit der Vogelfütterung. Als Grund für eine Zusatznahrung werden meist die abgeernteten Samen und die unerreichbaren Insekten genannt. Wenn dem so wäre, wie konnten dann unsere heimischen Vögel Jahrtausende überleben, ohne im Winter vom Menschen gefüttert zu werden? Natürlich am Überfluss der Natur an Samen, trockenen Früchten, Insektenlarven und vielem mehr. Auch der härteste Frost und Schnee vermögen dies nicht zuzudecken. Wer bei einer festen Schneedecke und Dauerfrost doch etwas füttern möchte und auch den Kontakt zum Vogel wünscht, sollte lediglich eine Futterglocke, wie den altbewährten Blumentopf, mit Rindertalg und Sonnenblumenkernen füllen.   

Was heutzutage allerdings eine Not für Vögel bringt, sind sterile Gärten: Rasen, Rosen, Koniferen geben weder Schutz noch Nahrung, und der Einsatz von chemischen Pestiziden reduziert das Futterangebot bzw. vergiftet die Vögel direkt. Richtige Vogelfütterung heißt, natürliche Nahrung für die Tiere im Garten zu belassen. Dazu gehört, im Herbst nicht den Rasen mit einem kurzen Bürstenhaarschnitt zu versehen, sondern am besten eine Blumenwiese anzulegen. Das Falllaub verbleibt im Garten und wird nur vom Rasen oder von Wegen geharkt und zu einem Laubhaufen aufgeschüttet. Abgeblühte Stauden, wie Goldrute, Astern, Sonnenhut und Phlox, bleiben über Winter stehen; sie bieten Schutz und Nahrung.    

Würde das Geld statt für Vogelfutter für Nistkästen und die Anlage von Naturgartenelementen ausgegeben, hätten die bei uns heimischen Vögel sicherlich mehr davon. Etliche Millionen Euro werden nämlich jährlich in der Bundesrepublik für Körner, Nüsse, Knödel und allerlei anderes bezahlt. Der einzige Sinn, der in dieser Fütterung zu sehen ist, besteht in dem Naturkontakt am Futterhäuschen, der den meisten Menschen heute leider fehlt. Vielleicht bringen wir mit diesem Zusatzfutter auch einige der hier überwinternden Vögel mehr durch den Winter, wenn sie sich nicht mit Salmonellen am Futterhäuschen anstecken. Sie sind dann aber auch eine wohlernährte Konkurrenz gegenüber den von der Reise eher strapazierten Zugvögeln und machen diesen und den eigenen Artgenossen Nistorte und Nahrung streitig. Meist gleichen sie eine durch Winterfütterung geschaffene Überpopulation dadurch aus, dass sie weniger Junge großziehen. Die sicherlich gut gemeinte Winterfütterung erweist sich dann unter dieser Betrachtungsweise für den Vogelschutz als wenig sinnvoll. 

Peter Busch     

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