Tipps für ein kostengünstiges und nachhaltiges Gärtnern

Viele Gärtner bewirtschaften ihren Boden – sei es auf gepachteten Flächen, im Kleingarten oder direkt hinterm Haus – als Selbstversorger. Doch die Freude am eigenen Gemüseanbau wird nicht selten durch steigende Betriebsausgaben oder hohe Pachtkosten getrübt.
Gleichzeitig zeigt eine aktuelle Erhebung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH): In Deutschland landen jährlich rund 10,8 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, davon allein 6,3 Millionen Tonnen von privaten Haushalten. Das entspricht etwa 74,5 Kilogramm pro Person und Jahr. Ein Teil davon sind im Garten gewachsenes Obst und Gemüse. Was können Gärtner tun, um diese Verschwendung in Grenzen zu halten und gleichzeitig ihre Betriebskosten zu senken?     
In Internetforen wird oft im Frühling beim Pflanzen und im Spätsommer bei der Ernte festgestellt, dass Pflanzen im Überfluss produziert werden. Diese landen manchmal im Biomüll.         


Saatgut tauschen und nachzüchten – was erlaubt ist  

Wer umweltbewusst kostengünstig und nachhaltig wirtschaften und handeln will, achtet schon beim Einkauf des Saatgutes, etwa durch die Verwendung von selbst gewonnenem Saatgut, auf einen bewussten Umgang mit Ressourcen.     
Diese gängige Praxis wurde in den letzten Jahren gelegentlich infrage gestellt. Doch laut einer Stellungnahme des Bundessortenamts, veröffentlicht im Dezember 2022 durch die Deutsche Presseagentur (dpa), dürfen private Gärtner ihre seltenen Sorten weiterhin verschenken und untereinander tauschen, solange dies nicht zu gewerblichen Zwecken erfolgt. Der private Anbau bleibt demnach erlaubt und ist ein wertvoller Beitrag zur Erhaltung der Pflanzenvielfalt und zur Vermeidung unnötiger Lebensmittelverluste. Wie können die Kos­ten zusätzlich gesenkt werden?    


Kosten senken durch Wissen und Planung       

Wer regelmäßig mineralstoffreiche Lebensmittel, im wahrsten Sinn des Wortes ernten will, braucht Grundkenntnisse über Bodenqualität, Kompostierung, Sortenwahl und Pflege. Dieses Wissen ist unbezahlbar und oft kostenlos zugänglich. Der Mangel wird heutzutage vielen jungen Gartenliebhabern bewusst. Die Coronapandemie hat viel Erfahrungswissen älterer Generationen verloren gehen lassen. Umso wichtiger ist es, dieses neu zu dokumentieren und weiterzugeben.
Quellen, die Fachwissen über Gartenbau vermitteln können:    

  • Regionale Mitgärtner teilen ihre Erfahrungen gerne 
  • Onlineplattformen und Foren bieten praxisnahe Tipps zu Mischkultur, Permakultur und ökologischer Bodenpflege 
  • Fachliteratur wie „4000 Jahre Landbau“ von F.H. King zeigt, wie nachhaltige Bewirtschaftung auf kleinstem Raum gelingt, ganz ohne Kunstdünger
  • Historisch bewirtschafteten Landwirte in China, Korea und Japan bereits vor 4000 Jahren kleine Flächen effizient. Im Gegensatz dazu führte die extensive Landwirtschaft in den USA zu einer Bodenerosion. Das sollte für heutige Gärtner ein warnendes Beispiel sein, um einer örtlichen Verarmung der Böden vorzubeugen.

Gerade in Deutschland, wo Anbauflächen durch Besiedelung knapp werden, lohnt sich eine nachhaltige Bodenpflege. Zusätzlich helfen weiterführende Überlegungen bei der Kos­tensenkung.         


Flächen optimal nutzen – auch ohne eigenen Garten        

Wer frische Kräuter oder Gemüse anbauen will, braucht nicht unbedingt einen großen Garten. Vernünftig ist es, egal ob im Blumentopf, auf dem Balkon oder auf einer Freifläche angebaut wird, vorab zu entscheiden, wie ­diese Fläche genutzt wird. Hierbei kann ein schriftlicher oder digitaler Anbauplan von Nutzen sein. Mit ihm gelingt eine ganzjährige optimale Flächennutzung und eine pflanzenstärkende Mischkultur. Nicht jeder kann sich eine eigene Parzelle leisten, doch Mietmodelle und Gemeinschaftsgärten können günstige Alternativen sein.

Ihre Vorteile:    

  • Besonders für Einsteiger sind solche Modelle ideal, um erste Erfahrungen zu machen und Kosten zu teilen.
  • Selbsterntegärten oder Gemeinschaftsprojekte haben manchmal den Vorteil, dass sie ortsnah sind, die vorhandene Infrastruktur nutzen und die Mitglieder meist eine praktische Anleitung erhalten.
  • Die Menge des Saatgutes kann kostengüns­tiger gemeinschaftlich eingekauft und der Verbrauch den Flächen und den Bedürf­nissen der Beteiligten anpasst werden.


Saatgut clever wählen – Sorten, ­Mengen, Bezugsquellen       

Wichtige Gesichtspunkte sind die passenden Arten und Sorten, der Jahreszeit und dem Ort angepasst, die präzise Menge des Saatgutes und die Sortenauswahl, denn das ist entscheidend, um Pflanzenüberschüsse zu vermeiden.     

Es ist nicht unwesentlich, wo das Pflanzgut gekauft wird. Erfahrene Gärtner wissen, dass der scheinbar günstige Einkauf beispielsweise bei einem Supermarkt, nicht unbedingt die erste Wahl ist. Informationsquelle kann der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. (www.nutzpflanzenvielfalt.de) und regionalen Kooperativen aus Gartenbaubetrieben sein. Dort wird häufig Saatgut von älteren Sorten angeboten, die zum Teil widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten oder Schädlingen sind und mit denen nachgezüchtet werden kann. Diese sind beim Kauf meist etwas teurer, müssen hingegen nur in sehr großen Abständen neu gekauft werden.
Nachzüchtbare Sorten haben den weiteren Vorteil, dass die Früchte zeitversetzt reif werden. (Hybride reifen zur gleichen Zeit und gleichen sich in Form und Farbe. Das kann einen Erntestress bei den Verbrauchern auslösen.) Für den Bezug von Jungpflanzen bieten sich der regionale Markt oder zum Beispiel Kleinanzeigen-Portale an. Da Kräuter meist über Stecklinge oder Teilung vermehrt werden, bietet sich ein Tausch – über den Gartenzaun – an.
Grundsätzlich gilt: Gemüse oder Kräuter aus Samen selbst heranzuziehen, ist günstiger, als Jungpflanzen zu kaufen – wenn ausreichend Platz vorhanden ist.      
In Tauschbörsen oder Social-Media-Gruppen finden Naturverbundene oft Gleichgesinnte, mit denen Saatgut oder Pflanzen getauscht werden können.      


Erde und Substrat: Qualität statt Quantität      

Oft prallen bei einem Gespräch über Umweltschutz und den Anbau von Obst und Gemüse in Bio-Qualität, im Bezug auf den Garten, Meinungen hart aufeinander.     
Sind konservativ denkende Gärtner der Meinung, dass es – um die Bezeichnung Bio verwenden zu können – ausreicht, keine Pflanzenschutzmittel zu verwenden, weisen Verfechter der Nachhaltigkeit darauf hin, dass zusätzlich bei der Auswahl von Material ein hoher Maßstab angelegt werden muss. Rechnerisch könne der Gärtner zusätzlich Geld einsparen.         

Wie und warum sollte das geschehen?

Der Umstieg auf biologisch abbaubare Behältermaterialien ist ein wichtiger Schritt, den jeder Gärtner unternehmen kann, um einerseits seinen ökologischen Fußabdruck zu verringern und gleichzeitig zum erfüllenden Prozess des Heranziehens von Pflanzen, vom Samen bis zur Reife, Kosten einzusparen. Die preislich günstigste Form sind Pflanztöpfe aus geformtem Zellstoff und/oder recycelte Pappe, oder geformtem Holzschliff. Wenn die ausgediehnten Töpfchen auf dem Kompost konstant feucht gehalten werden, zersetzen sie sich relativ schnell. (Dann locken sie besonders Kompostwürmer an.) Sie lassen sich für die Anzucht im Innenbereich gut verweden, da sie zum direkten Einpflanzen mit dem Topf ins Freiland entwickelt wurden. Erfahrungsgemäß eignen sich ehemalige Eierkartons gut für flach wurzelnde Pflanzen, Toilettenpapierrollen eher für tiefwurzelnde. 

  • Tontöpfe sind langlebig und oft günstig über Kleinanzeigen erhältlich.   
  • Materialien mit wenig Mikroplastik schützen Umwelt und Gesundheit.         

Wer die Qualität seines Gartenbodens kennt, weiß ob er die Bodenbeschaffenheit, gezielt und kostengünstig, durch Kompost, Steinmehl oder Gründüngung verbessern muss, oder wie er durch Vorbeugung den Pflanzen ihre spezielle Nahrungsquelle verschafft.
Dadurch werden die Pflanzen gestärkt und Schutzmittel werden meist überflüssig.       
Anzuchterde lässt sich, so die Erfahrung von Praktikern, kostengünstig, je ein Drittel Kompost, Sand und Pflanzerde, selbst herstellen.    


Kompost und Dünger selbst herstellen          

Damit Pflanzen sich erfolgreich selbst gegen Krankheiten und Bedrohungen wehren können, benötigen sie ganzjährig einen mineralisierenden Boden und, je nach Pflanzenentwicklung und Jahreszeit, einen speziellen Dünger. Hier die Antwort auf die Frage wie dieser einfach und kostensparend hergestellt werden kann.        

  • Es lohnt sich von Anfang an, Zeit und Wissen in das Anlegen eines funktionierenden Kompostes zu investieren. Er besteht idealerweise aus drei Bereichen: frische Abfälle, reifender Kompost und fertiger Erde. 
  • In der Stadtwohnung sind Wurmkisten oder Bokashi-Eimer eine gute Alternative, die aber Grundkenntnisse und Geduld erfordert.
  • Brennnesseljauche ist ein bewährter, kos­tenloser Dünger, der einfach selbst angesetzt werden kann. Geruchbindend wirkt Steinmehl. Für Zimmerpflanzen kann mit einem erkalteten Tee gedüngt werden. Weitere Pflanzen wie Ringelblumen, Beinwell, Zinnkraut, können die Pflanzen separat stärken oder gleich mit den Brennnesseln angesetzt werden. Praktischerweise können die Pflanzen im Garten, zusammen in einem Netz, kalt in einem Fass, angesetzt werden. Wenn bei steigenden Temperaturen die Gärung abgeschlossen wurde, können die Kräuter einfach entnommen und auf dem Kompost entsorgt werden. Praktischerweise werden die Pflanzen, bevor sie in Wasser kommen, zerkleinert


Gartengeräte: gebraucht, geteilt, platzsparend     

Die Grundausstattung der Gartengeräte hängt vom Standort, dem Garten oder Balkon ab.

  • Unverzichtbar sind: Pflanzschaufel, Hacke, Grabegabel, Gießkanne, Messer, Gartenschere, in angepasster Größe
  • Ergänzungen für große Flächen:
  • Spaten und Rechen
  • Tipps für den Kauf
  • Für hochwertige Geräte, außerhalb der Saison, in Gebrauchtmärkten oder Tauschgruppen nachschauen.         
  • In Gemeinschaftsgärten können Geräte geteilt werden. Das spart Platz und Geld.


Mit klugen Entscheidungen zur reichen Ernte           

Kostengünstiges Gärtnern beginnt mit klugen Entscheidungen und endet, wenn die Wetterbedingungen ebenfalls stimmen, mit reicher Ernte, großzügig geteiltem Wissen und dem guten Gefühl, selbst und gemeinschaftlich ­etwas Sinnvolles geschaffen zu haben.     

Monika Hermeling  

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