Hoffentlich funktioniert das
Apfelbäume sind spät dran. Zuerst blühen Mandel, Aprikose und Pfirsich, Mandelbäume an der Bergstraße schon ab Anfang März. Es folgen im April nach Sauerkirschen Süßkirschen, Pflaumen, Birnen, Äpfel erst ab der zweiten April-Hälfte bis Mitte Mai. Nicht jeder Frost zerstört Blüten. Wird es nicht kälter als −1°C, geht es meist gut aus. Geschlossene Blüten im so genannten Ballonstadium vertragen sogar noch mehr Kälte. Falls nicht besondere Umstände Frost verschärfen, überstehen sie unbeschadet Minustemperaturen bis 5 Grad.
Früher konnte man sich auf die Eisheiligen um Mitte Mai verlassen und hoffen, dass danach keine Gefahr mehr für Apfelblüten besteht. Der Witterungsverlauf änderte sich. Auf meist mildes Wetter im Winter mit extrem frühem Austrieb und Blühbeginn folgt oft ein Kälteeinbruch erst in der zweiten Maihälfte oder noch später. Das sind erschwerte Bedingungen. Wind verstärkt Frostgefahr weiter. Außerdem gefährden tiefe Temperaturen in Verbindung mit hoher relativer Luftfeuchtigkeit Apfelblüten mehr als trockene Nächte mit gleichen Temperaturen. Bodendecke verstärkt ebenfalls nicht den Frost an sich, doch verhindert sie, dass aus schon etwas erwärmten Erdschichten Wärme in die Luft abgegeben wird, die Frost abschwächen könnte. Richtig gefährlich sind Frostlöcher und ähnliche Standorte, in denen sich Kaltluft ansammelt. Sie sind grundsätzlich ungeeignet für Obstbäume aller Art. Man plane entsprechend.
Für offene Blüten und jene, die die Blütenblätter abgeworfen haben, liegt die kritische Grenze bei 2 Grad minus. Zuerst erfrieren die weiblichen Teile der Blüte, also Griffel und Narbe. Färben sich die Narben bräunlich, sind sie nicht mehr funktionsfähig. Dann sieht es schlecht aus mit dem Fruchtansatz, weil keine Befruchtung mehr erfolgen kann. Die Staubgefäße mit den Pollen sind etwas härter. Es gibt ferner Unterschiede bei den einzelnen Apfelsorten mit kälteempfindlichen oder härteren Blüten. Außerdem öffnen sich nicht alle Blüten eines Apfelbaumes zu gleicher Zeit.
Später im Mai haben bereits befruchtete Blüten gute Chancen davonzukommen, denn die Blütenachsen, aus denen die eigentlichen Früchte hervorgehen, bleiben häufig unbeschädigt. Dennoch macht sich Frosteinwirkung mal mehr, mal weniger deutlich bemerkbar mit rostigen Flecken auf der Schale oder grünlichen Eindellungen. Besonders typisch sind sogenannte Frostgürtel, die geschädigte Früchte im oberen Bereich ringförmig umgeben.
Ilse Jaehner