Vermehrung der Süßkartoffel

Süßkartoffeln gewinnen ständig an Aktualität. Das hat viele Gründe. Zum einen sind Süßkartoffeln seit etlicher Zeit ein fester Bestandteil der Gemüsetheken im Supermarkt. Und sie lassen sich in der Küche in ähnlicher Weise wie Kartoffeln verwenden. Doch nicht nur als Knollen begegnen wir diesem Windengewächs, das botanisch Ipomoea batatas heißt, auch als Zierpflanze können wir die Pflanze im Fachhandel antreffen. Hier sind es die verschieden ausgefärbten und zuweilen auch panaschierten Blätter, die Farbe in die Mischpflanzungen des öffentlichen Grüns bringen und sich vorzüglich zur Bepflanzung von Kübeln und Trögen eignen. Den Ziersorten soll zu einem späteren Zeitpunkt ein eigener Artikel gewidmet werden, hier soll es nur um die Vermehrung der essbaren Variante gehen. Auch die Zierformen bilden eine Knolle aus, die auch essbar, aber wesentlich kleiner bleibt.  

Die Vermehrung der Süßkartoffel weist im Vergleich zu Kartoffeln einige Besonderheiten auf. Während Kartoffeln nach längerer Lagerung quasi von selbst austrieben, konnte ich dies bei der Süßkartoffel noch nicht beobachten. Hier kann aber die Ausbildung von Sprossen in Verbindung mit Substrat oder Wasser bewirkt werden. Welche Methode besser geeignet ist, vermag ich nicht zu sagen. Beide funktionieren und ermöglichen die Gewinnung zahlreicher ‚Stecklinge‘, deren Anzahl in der Regel unsere räumlichen Möglichkeiten bei weitem überschreitet. Und es ist ist an sich schade, wenn man überschüssige Stecklinge wegwerfen muss. 

Wie müssen wir vorgehen, um an diese Stecklinge zu kommen? Ausgehend von einer einzelnen Knolle wird diese entweder auf ein ausreichend großes Gefäß mit feuchtem Substrat gelegt und etwas ins Substrat gedrückt. Oder wir behandeln die Knolle wie einen ­Avocado- Kern und bewurzeln im Wasserglas. Hier wird die Knolle mit dem schmalen Teil nach unten bis zur Hälfte in ein Wasserglas gehängt und mit Zahnstochern oder Streichhölzern fixiert. 

In beiden Fällen erscheinen temperaturbedingt nach etwa 2 bis 4 Wochen zahlreiche beblätterte Triebe. Gelegentlich kommt es vor, dass an der Verbindungsstelle von Knolle und Trieb auch schon Wurzeln gebildet werden. Wir müssen aber nicht darauf warten, sondern können die Triebe, wenn sie etwa 10 cm lang sind, abbrechen oder mit einem scharfen Messer abschneiden und anschließend zur Bewurzelung in ein Wasserglas geben oder direkt in Anzuchterde eintopfen, bis unter gespannter Luft Wurzeln gebildet werden und diese Stecklinge weiterwachsen. Direkt in Erde gesteckt, ersparen wir uns einen Schritt, denn auch die im Wasser bewurzelten Stecklinge müssen nach erfolgter Bewurzelung noch in Substrat überführt werden, bevor sie ihren endgültigen Platz finden. Dies kann ein großer, wenigstens 15 Liter Volumen fassender Kübel sein oder wir pflanzen direkt an einen warmen Platz im Gemüsebeet. 

Die Gewinnung von Stecklingen ist ganzjährig möglich, manchmal ist ein gewisses Timing notwendig, um die bewurzelten Stecklinge nach den Eisheiligen pflanzfertig zu haben. Doch bietet sich im Hinblick auf die ganzjährige Verfügbarkeit der Knollen ein Versuch außerhalb der Saison an, um etwas Erfahrung mit der Kultur zu gewinnen. Die herzförmigen Blätter machen auch optisch etwas her. 

Thomas Bay